Posted in: Biologie 1. Juli 2011 14:56 Weiter lesen →

Erfolgsfaktor Vielfalt

Foto zeigt eine kleine Ameise, den Kopf mit geöffneten Kiefern einer toten, zusammengekrümmten Artgenossin zugewandt Vielfalt macht nicht nur Ökosysteme produktiver, sondern auch einzelne Ameisenvölker. Das haben Mainzer Forscher durch systematische Verhaltenstests an einzelnen Ameisen zeigen können. Je größer die Bandbreite der Aggressivität unter den Individuen einer Kolonie ist, umso mehr Nachkommen bringt diese hervor.

Foto: Andreas Modlmeier

„Vielleicht sind Kolonien produktiver, wenn Aufgaben wie Nestverteidigung und Brutpflege unter spezialisierten Arbeiterinnen mit unterschiedlichen Aggressionsschwellen verteilt sind“, vermutet Andreas Modlmeier von der Universität Mainz. Tiere mit niedrigerer Aggressionsschwelle könnten sich im Wettbewerb und im Kampf mit anderen Kolonien engagieren, während weniger aggressive Arbeiterinnen die Nachkommen versorgten.

Modlmeier führte seine Versuche mit Themnothorax longispinosus durch, einer in nordamerikanischen Mischwäldern heimischen Art, die kleine Kolonien mit durchschnittlich 35 Arbeiterinnen bildet. Der Forscher brachte jeweils 10 Arbeiterinnen aus 39 verschiedenen Kolonien einzeln mit toten Artgenossinnen zusammen und beobachtete, wie aggressiv das Tier reagierte – etwa durch drohendes Öffnen der Kiefer, durch Beißen, Zerren oder Stechen. Zudem bestimmte er, wie viele Nachkommen die jeweilige Kolonie produzierte.

Dieser Wert war umso höher, je stärker sich die Arbeiterinnen einer Kolonie in ihrer Aggressivität unterschieden, berichten Modlmeier und seine Kollegin Susanne Floitzik im Fachblatt „Behavioral Ecology“. Zudem habe es unter den 39 Kolonien keine mit durchweg hochaggressiven Arbeiterinnen gegeben, so der Forscher. „Das scheint sich in der Natur nicht zu lohnen, sondern ein Nachteil zu sein.“

Die neuen Resultate ständen im Einklang mit der Ansicht, dass Unterschiede im Verhalten, gewissermaßen die Persönlichkeit, auch bei Tieren und Tiergruppen eine wichtige Rolle spielten, erläutert Floitzik. „Wir gehen heute davon aus, dass es bei den Ameisen einen Kolonie-Charakter gibt, aber eben auch individuelle Persönlichkeitsmerkmale innerhalb einer Ameisenkolonie“, so die Verhaltensforscherin.

Forschung: Andreas P. Modlmeier und Susanne Foitzik, Institut für Zoologie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, und Department Biologie II, Ludwig-Maximilians-Universität München

Veröffentlichung Behavioral Ecology, DOI 10.1093/beheco/arr086

WWW:
Evolutionsbiologie, Uni Mainz
Themnothorax longispinosus

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