Posted in: Biologie, Psychologie 29. Juni 2011 01:01 Weiter lesen →

Krähen lernen zu hassen

Foto zeigt Krähe am Ufer eines Gewässers Krähen müssen eine unangenehme Erfahrung nicht am eigenen Leib machen, um künftig auf der Hut zu sein. Ein Langzeitexperiment amerikanischer Biologen zeigt, dass die Vögel den Argwohn gegenüber bestimmten Menschen von ihren Artgenossen lernen können und dass dieses Wissen über Jahre Bestand hat.

Foto: Walter Siegmund via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Im Umgang mit Fressfeinden und insbesondere mit dem Mensch ist diese Lernfähigkeit von großem Wert, sind die Forscher um John Marzluff von der University of Washington überzeugt. Im Laufe der Studie hätten mehrere Anwohner erzählt, dass sie Krähen gelegentlich fütterten. Andere hätten dagegen mit dem Gewehr auf die Vögel angelegt und einige von ihnen getötet, schreibt die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society“.

Marzluff und Kollegen hatten ihre Studie im Jahr 2006 auf dem Campus ihrer Universität in Seattle begonnen. Angetan mit einer grotesken Höhlenmensch-Maske, fingen und beringten die Forscher einzelne Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos). Die harmlose, aber unangenehme Prozedur rief weitere Krähen auf den Plan, die das Geschehen heftig schimpfend verfolgten. Schlenderten in der Folgezeit Studenten mit verschiedenen Masken über den Campus, so wurden jene mit der grotesken Maske erneut von aufgeregten Krähen beschimpft und verfolgt.

Nach nunmehr fünf Jahren und wiederholten Tests sind sich die Forscher sicher, dass unerfahrene Krähen das Wissen um die gefährliche Maske von schimpfenden Artgenossen übernehmen. Obwohl der Höhlenmensch in der Zwischenzeit nicht erneut zugeschlagen hat, steigt die Zahl der schimpfenden Krähen noch immer stetig an. Und auch in den Straßenblöcken außerhalb des Campus reagieren inzwischen einzelne Krähen, die selbst nie beringt wurden, auf die groteske Maske. Wahrscheinlich handelt es sich um Vögel, die als Jungtiere die Reaktion ihrer Eltern auf die Maske erlebt haben und sich später in der Nachbarschaft angesiedelt haben. Versuche an vier weiteren Standorten lieferten ähnliche Resultate.

„Das direkte Lernen durch Versuch und Irrtum ermöglicht vielen Spezies eine rasche Anpassung des Verhaltens an wechselnde Bedingungen“, schreiben Marzluff und Kollegen. Ein Fehler bei der Einschätzung einer Situation könne allerdings eine verpasste Gelegenheit oder – im Falle eines Fressfeindes – sogar den Verlust des Lebens bedeuten. Die Fähigkeit der Krähen, indirekt aus den Erfahrungen ihrer Artgenossen zu lernen, senke diese Kosten und prädestiniere die Rabenvögel zur Besiedlung von Städten.

Forschung: Heather N. Cornell, John M. Marzluff und Shannon Pecoraro, School of Forest Resources, College of the Environment, University of Washington, Seattle

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 29. Juni 2011, DOI 10.1098/rspb.2011.0957

WWW:
School of Forest Resources, University of Washington
American Crow
Rabenvögel

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1 Kommentar zu "Krähen lernen zu hassen"

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  1. H. K. sagt:

    Ich liebe diese Vögel sehr , alle kommen gerne zu mir im Winter und schätzen mein Futter. Sie haben grosse Erfahrung mit den Menschen gemacht , gute und schlechte . Indianer schätzen diesen Vogel sehr, er ist etwas ganz Besonderes und sollte auch allen Menschen verständlich machen über die Natur nachzudenken.