Posted in: Gesundheit, Medizin 29. Juni 2011 15:22 Weiter lesen →

Hebammen statt Ärzte fördern natürliche Geburt

Mutter mit Baby Die Betreuung Gebärender durch Hebammen statt durch Ärzte wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Mutter und Kind aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, in der das Konzept des Hebammenkreißsaales mit dem ärztlich geleiteten Kreißsaalmodell verglichen wurde.

Foto: NiDerLander /Fotolia

In ihrer Doktorarbeit untersuchte Nicola Bauer von der Hochschule für Gesundheit in Bochum das in Deutschland neue Versorgungskonzept des Hebammenkreißsaales. Entsprechend betreute Frauen haben demnach deutlich häufiger spontan geboren und weisen eine signifikant niedrigere Kaiserschnittrate auf als Frauen in der Arztkreißsaal-Gruppe.

Werden Schwangere während der Geburt in einem Hebammenkreißsaal betreut, wechseln sie im Geburtsverlauf häufiger ihre Position und nehmen häufiger eine alternative Geburtsposition zur Geburt ihres Kindes ein. „Die Hälfte der Schwangeren in meiner Studie, die im Hebammenkreißsaal betreut werden, erleben eine interventionsfreie Geburt, also eine physiologische Geburt. In der Vergleichsgruppe im ärztlich geleiteten Kreißsaal waren es nur 22,6 Prozent“, berichtet Bauer.

Ihre Studie beruht auf 238 Dokumentationsbögen, wovon 92 Frauen der Hebammenkreißsaal-Gruppe und 146 Frauen der Gruppe des ärztlich geleiteten Kreißsaales zuzurechnen waren. Acht Wochen nach der Geburt wurden die Studienteilnehmerinnen schriftlich befragt; 198 Frauen beantworteten den Fragebogen.

Die Forscherin ermittelte auch, dass von Hebammen betreute Frauen häufiger stillen. 73 Prozent der Frauen in der Hebammenkreißsaal-Gruppe stillten noch acht Wochen nach der Geburt ihr Kind ausschließlich. In der Kontrollgruppe waren es nur 47 Prozent. Der Gesundheitsstatus des Neugeborenen wies direkt nach der Geburt keine signifikanten Unterschiede auf.

„Die meisten schwangeren Frauen benötigen bei der Geburt kein medizinisches Eingreifen“, sagt Bauer. „Nach den Kriterien der World Health Organization sind etwa 70 bis 80 Prozent aller Schwangeren bei Geburtsbeginn als gesund einzustufen. Dennoch steigt die Zahl der geburtshilflichen Interventionen und Kaiserschnitte in Deutschland sowie weltweit an.“

Nach Bauers Meinung muss die normale Geburt „in Deutschland wieder eine größere gesellschaftliche Anerkennung und Bedeutung erfahren“. Die Ergebnisse ihrer Studie hat sie letzte Woche auf dem Internationalen Hebammenkongresses in Durban, Südafrika, vorgestellt.

Forschung: Nicola H. Bauer, „Der Hebammenkreißsaal. Ein Versorgungskonzept zur Förderung der physiologischen Geburt.“ Band 9 der Reihe „Frauengesundheit“, V&R unipress, Universitätsverlag Osnabrück, 2011, ISBN 9783862347964

WWW:
Hochschule für Gesundheit, Bochum
Konzept Hebammenkreißsaal

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2 Kommentare zu "Hebammen statt Ärzte fördern natürliche Geburt"

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  1. Hermann Weber sagt:

    Dank einer Hebammengeburt, bei der kein Arzt vor Ort war und kein Notkaiserschnitt eingeleitet werden konnte, hat meine Nachbarin jetzt eine schwerst geistig und körperlich behinderte Tocher. Ihr Kind ist durch den bei der Geburt erlittenen Sauerstoffmangel blind, fast taub, stumm und nicht in der Lage ohne Hilfe aufrecht zu sitzen. Alleine das Füttern dauert 6 – 8 Stunden täglich. Sie ist jetzt fünf Jahre alt und es gab in all den Jahren so gut wie keine Fortschritte im Vergleich zum Säuglingsalter.

    Ich glaube nicht das ich meiner Nachbarin diesen Artikel zeigen sollte und ich halte den Verzicht auf ärztlichen Beistand mit allen modernen medizinischen Hilfmitteln bei der Geburt für grob fahrlässig. Wir sollten froh sein das wir in Deutschland über diese Möglichkeiten verfügen und wir sollten die Gesundheit des Kindes UND der Mutter über einen kurzfristigen Komfortgewinn bei der Geburt stellen.

  2. Oliver Weiß sagt:

    Guten Tag Herr Weber,
    Sie sollten sich den Begriff „Hebammenkreißsal“ bitte erläutern lassen.
    Es ist ein Link nach Wikipedia unter dem Text vorhanden – natürlich ist in diesem Fall ein Arzt bei Bedarf vor Ort!
    Mit freundlichem Gruß,
    Oliver Weiß