Posted in: Biologie 24. Juni 2011 16:52 0 Kommentare Weiter lesen →

Innovative Marienkäfer

Collage zeigt acht Marienkäfer mit unterschiedlichen Farben und Mustern Der Umstieg auf weiche Kost hat den Marienkäfern die Aufspaltung in mehrere Tausend Arten ermöglicht. Diesen Schluss legt ein neuer Stammbaum der Käferfamilie nahe, den australische und amerikanische Forscher aufgestellt haben. Der Schlüssel zum Erfolg liegt demnach in der Entwicklung von Abwehrmaßnahmen gegen Ameisen, die wahre Herden von Blattläusen gegen Fressfeinde verteidigen.

Bild: A. Slipinski, CSIRO Ecosystem Sciences/Australian Biological Resources Study

Ursprünglich hätten sich die Marienkäfer wohl von gut gepanzerten Schildläusen ernährt, erklärt Ainsley Seago von der australischen Forschungsorganisation CSIRO. Doch erst mit der Umstellung auf Blattläuse und ähnliche Beute habe sich die enorme Vielfalt der Käfer entfaltet. “Weichhäutige Pflanzenläuse sind leichter zu fressen”, so die Forscherin, “allerdings bringen sie eine völlig neue Herausforderung mit sich.”

Marienkäfer (Coccinellidae) sind nicht nur als Glücksbringer beliebt. Mit ihrem großen Appetit auf Pflanzenschädlinge sind sie auch auf Feldern und in Gewächshäusern gerne gesehene Helfer. Derzeit sind weltweit mehr als 5.000 Arten von Marienkäfern beschrieben. Seago und ihre Kollegen kombinierten DNA-Sequenzen und Information über den Körperbau der Tiere, um mehr über den Ursprung und die Entwicklung dieser Vielfalt zu erfahren.

Die Marienkäfer scheinen ein Musterbeispiel für eine Tiergruppe darzustellen, deren Erfolg sich durch einzelne Schlüsselinnovationen erklären lässt, fanden die Forscher. Die meisten Käferarten gehören demnach Entwicklungslinien an, in denen die Larven sich mit einem Mantel aus Wachs oder mit Abwehrsekreten gegen Ameisen und andere Feinde schützen. Diese Merkmale sind typischerweise nur bei solchen Marienkäfern wieder verloren gegangen, die sich nachträglich auf Pollen oder Blätter als Nahrung verlegt haben.

“Wir haben entdeckt, dass die Artenvielfalt der Marienkäfer auf Gruppen konzentriert ist, deren Larven über diese speziellen Abwehrmaßnahmen verfügen”, so Seago weiter. Für Insekten sei es eher untypisch, auf diesem Weg zum Erfolg zu kommen. “Bei den bisherigen Untersuchungen wurde eine große Artenvielfalt bei Insekten meist auf die Anpassung an oder auf ein evolutionäres Wettrüsten mit Pflanzen zurückgeführt.”

Forschung: Ainsley E. Seago, Jiahui Li und Adam Ślipiński, Australian National Insect Collection, CSIRO Entomology, Canberra; José Adriano Giorgi, Department of Entomology, University of Georgia, Athens

Veröffentlichung Molecular Phylogenetics and Evolution, Vol. 60(1), pp 137-51, DOI 10.1016/j.ympev.2011.03.015

WWW:
Australian National Insect Collection, CSIRO
Beetle Systematics and Morphology, University of Georgia
Marienkäfer
Evolution 101

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