Posted in: Medizin, Psychologie 20. Juni 2011 20:00 Weiter lesen →

Das Gehirn in den Schlaf wiegen

Foto zeigt Baby, fest schlafend in einer grob geknüpften Hängematte Wiegen und Hängematten sind bewährte Einschlafhilfen. Warum das so ist, haben Genfer Neurowissenschafter untersucht. Sanfte Schaukelbewegungen haben demnach einen deutlichen Effekt auf das Muster der Gehirnströme und beschleunigen den Übergang in tiefere Schlafphasen.

Foto: Mattes via Wikimedia.org (Public Domain)

„In einem Schaukelstuhl schläft man ganz automatisch ein, und seit Urzeiten legen Menschen ihre Babys in Wiegen“, erklärt Sophie Schwartz von der Universität Genf. Die neuen Messungen bestätigten nicht nur die Wirksamkeit des sanften Hin und Hers. Sie zeigten auch, dass der so herbeigeführte Schlaf besonders tief sei.

Schwartz und ihre Kollegen, darunter auch Forscher aus Lausanne und Paris, analysierten den Schlaf von zehn gesunden Männern, die sich zwei Mal zu einem Nickerchen im Schlaflabor einfanden. Bei einem dieser Termine wurde das Bett durch eine Pleuelstange in einem 4-Sekunden-Takt um einige Zentimeter hin und her bewegt. Der Effekt auf Schlaf und Gehirnaktivität blieb nicht aus, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Current Biology“.

Nach dem Ausschalten des Lichts gingen sämtliche Teilnehmer im Wiegebett schneller in die zweite Schlafphase (N2) über und verweilten während des 45-minütigen Nickerchens auch länger darin. Langsam oszillierende Gehirnwellen mit Frequenzen von höchstens 5 Hertz waren kräftiger ausgeprägt und Schlafspindeln, typische an- und wieder abschwellende Wellenpakete, traten häufiger auf als beim Schlaf in einem unbewegten Bett.

Signale über die Wiegebewegung werden vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr und von Rezeptoren in Haut und Muskeln an das Gehirn übermittelt. Möglicherweise beeinflusse dieser regelmäßig wechselnde Input die Synchronisierung von Großhirn und Zwischenhirn und fördere so den Schlaf, so Schwartz und Kollegen.

Forschung: Laurence Bayer, Irina Constantinescu, Michel Mühlethaler und Sophie Schwartz, Centre Interfacultaire de Neurosciences, Université de Genève; und andere

Veröffentlichung Current Biology, 21. Juni 2011

WWW:
Neurology & Imaging of Cognition, Universität Genf
Der normale Schlaf und seine Variationen

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