Posted in: Biologie 16. Juni 2011 16:42 Weiter lesen →

Mäusedamen mögen gute Sänger

Foto zeigt kleine braune Maus zwischen grüner Vegetation, das Maul geöffnet und den Kopf in den Nacken gelegt Wer die Damenwelt singend beeindrucken will, muss sich mächtig ins Zeug legen. Das gilt auch unter Nagetieren, haben amerikanische Biologen entdeckt. Bei in Mittelamerika lebenden Neuweltmäusen ist ein Männchen umso interessanter für die Weibchen, je schneller und klangvoller es zwitschern kann.

Foto: Bret Pasch

„Solche hochentwickelten Balzsignale erfordern ein gutes Zusammenspiel von Nervensystem, neuromuskulärem System und Herz-Kreislauf-System“, erklärt Bret Pasch von der University of Florida in Gainesville. Aus der Güte der jeweiligen Darbietung könne ein Weibchen daher auf den körperlichen Zustand eines Männchens und letztlich auf seine genetischen Qualitäten schließen.

Pasch und seine Kollegen führten ihre Untersuchung an der Braunmaus Scotinomys teguina durch, einer entfernten Verwandten der Hausmaus. Sie fanden, dass sich die männlichen Tiere bei ihren Balzgesängen mit ganz ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sehen wie zwitschernde Vögel: Je schneller die Zwitscherlaute aufeinander folgen, desto schwieriger ist es, mit jedem einzelnen Ton ein breites Tonhöhenspektrum abzudecken – und umgekehrt.


Video: University of Florida

Wie gut eine männliche Braunmaus diese Herausforderung meistert, hängt nicht zuletzt von ihrem Spiegel an Geschlechtshormonen ab, berichten Pasch und Kollegen im Fachblatt „Animal Behaviour“. Tiere mit einem gezielt verringerten Testosteronspiegel zwitscherten deutlich langsamer und mit einem engeren Frequenzspektrum als solche mit einem hohen Testosteronspiegel. Möglicherweise beeinflusst das Hormon die Leistungsfähigkeit der Kiefer- und Zwerchfellmuskulatur, spekulieren die Forscher.

Weibliche Braunmäuse haben ein feines Ohr für die Unterschiede im Gesang und geben Hochleistungssängern klar den Vorzug, fanden die Biologen. Entsprechend konnten sie Aufnahmen durchschnittlicher Gesänge zu mehr Sex-Appeal verhelfen, indem sie die Pausen zwischen den einzelnen Tönen verkürzten. „Die Weibchen scheinen also in der Lage zu sein, geringe Unterschiede in der motorischen Leistungsfähigkeit der Männchen zu erkennen und ihr Verhalten entsprechend auszurichten“, folgert Pasch.

Forschung: Bret Pasch, Andreas S. George, Polly Campbell und Steven M. Phelps, Department of Biology, University of Florida, Gainesville

Veröffentlichung Animal Behaviour, DOI 10.1016/j.anbehav.2011.04.018

WWW:
Phelps Laboratory, University of Florida
Scotinomys teguina

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