Posted in: Gesundheit, Medizin, Sport 5. Mai 2011 14:23 Weiter lesen →

Wie Sport das Herz schützt

Marathonläufer Wer regelmäßig Sport treibt, ist besser gegen die Folgen eines Herzinfarkts gefeit. Eine mögliche Ursache für diesen Schutzeffekt haben amerikanische Mediziner gefunden. Bewegung führt demnach dazu, dass im Herzmuskel größere Mengen von Stickstoffmonoxid produziert und bevorratet werden – einem Signalstoff, der das Gewebe auf Belastungen vorbereitet.

Foto: Nick Free/iStockphoto

Das kleine Molekül wird vornehmlich in Form von Nitrit und – an Proteine gebunden – in Form von Nitrosothiolen gespeichert, fanden die Forscher um David Lefer von der Emory University in Atlanta. „Diese stabileren Abkömmlinge des Stickstoffmonoxids scheinen für den Schutz gegen die Auswirkungen eines Herzinfarkts von entscheidender Bedeutung zu sein“, so der Kardiologe. Vielleicht lasse sich diese Erkenntnis zur vorbeugenden Behandlung von Risikopatienten nutzen.

Lefer und Kollegen studierten den Schutzeffekt an Mäusen, bei denen sie vorübergehend ein Herzkranzgefäß abbanden. Hatten die Tiere in der Zeit vor dem Eingriff keine Gelegenheit zum Laufen gehabt, schädigte der simulierte Infarkt fast 60 Prozent des von dem Gefäß versorgten Herzmuskels. Hatten sie sich dagegen vier Wochen lang im Laufrad austoben können, lag der Anteil bei etwa 45 Prozent. Der Schutzeffekt zeigte sich auch, wenn die Laufräder eine Woche vor dem Eingriff wieder aus den Käfigen entfernt worden waren, berichten die Forscher im Fachblatt „Circulation Research“.

Vermittelt wird der Schutzeffekt wahrscheinlich durch das Stickstoffmonoxid produzierende Enzym eNOS. Der Herzmuskel von aktiven Mäusen enthielt zwar nicht mehr eNOS als der von trägen Tieren, fanden die Forscher, das Enzym lag jedoch in einer besonders aktiven Form vor. Passend dazu war die Konzentration von Nitrit und Nitrosothiolen im Herzmuskel erhöht. Konnten die Mäuse kein eNOS nicht bilden, blieb der Schutzeffekt der Bewegung dagegen aus.

Auch beim Menschen wirkt sich Bewegung auf den Stickstoffmonoxid-Stoffwechsel aus, fanden Lefer und Kollegen. Im Blut junger Ausdauersportler maßen sie doppelt so hohe Spiegel von Nitrosothiolen wie bei unsportlichen Altersgenossen. Den eigentlichen Anstoß scheint die Ausschüttung von Adrenalin und verwandten Hormonen beim Sport zu geben, zeigten weitere Tests an Mäusen. Konnten die Tiere den zugehörigen beta3-Adrenorezeptor nicht bilden, blieben die Effekte auf eNOS und Nitrosothiolspiegel aus. Bewegung ging bei diesen Mäusen sogar mit größeren Infarktschäden einher.

Forschung: John W. Calvert und David J. Lefer, Department of Surgery, School of Medicine, Emory University, Atlanta; Lili A. Barouche, Division of Cardiology, School of Medicine, Johns Hopkins University, Baltimore; und andere

Veröffentlichung Circulation Research, DOI 10.1161/CIRCRESAHA.111.241117

WWW:
Division of Cardiothoracic Surgery, Emory University
Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit
Nitric Oxide

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