Posted in: Psychologie 28. April 2011 12:49 Weiter lesen →

Musik beeinflusst Wahrnehmung

Grafik aus Graustufen-Pixeln, darin schemenhaft erkennbar ein Smiley aus helleren Pixeln Über ihren Effekt auf die Stimmung kann Musik auch die Wahrnehmung beeinflussen. Das belegt ein Experiment zweier niederländischer Forscher. Indem ihre Versuchsteilnehmer fröhliche Musik hörten, sahen sie öfter lachende Gesichter, wo gar keine waren.

Bild: Jolij J, Meurs M (2011). PLoS ONE 6(4): e18861. DOI 10.1371/journal.pone.0018861 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

„Wenn man Dinge sieht, die nicht da sind, resultiert das aus der Einwirkung höherer Gehirnregionen auf niedere Regionen“, erläutert Jacob Jolij von der Universität Groningen. Die bewusste Wahrnehmung beruhe zu großen Teilen auf dem Abgleich der eingehenden Information mit den Erwartungen an die Welt. Und ganz offenbar variierten diese Erwartungen auch mit der momentanen Stimmungslage, so der Psychologe.

Jolij und seine Kollegin Maaike Meurs führten ihr Experiment mit 43 Psychologiestudenten im ersten Semester durch. Die jungen Männer und Frauen sahen auf einem Bildschirm rasche Abfolgen verrauschter Grafiken, in denen kurzzeitig ein stilisiertes fröhliches oder trauriges Gesicht oder aber kein Gesicht erschien. Währenddessen hörten sie Musik, die sie selbst in eine fröhliche oder traurige Stimmung versetzte.

Ob und wie gut die Teilnehmer die Gesichter wahrnahmen, hing deutlich von ihrer Stimmung ab, berichten die Psychologen im Fachblatt „PLoS ONE“. Insgesamt lag die Trefferquote bei 83 Prozent. Fröhlich bzw. traurig gestimmte Teilnehmer erkannten allerdings 87 Prozent der entsprechenden Gesichter, umgekehrt aber nur 79 Prozent der jeweils anderen Gesichter. Und glaubten die Teilnehmer fälschlicherweise, ein Gesicht gesehen zu haben, so war es bei den fröhlich gestimmten Teilnehmern besonders häufig auch ein fröhliches Gesicht.

Die neuen Resultate bestätigten frühere Beobachtungen, denen zufolge Menschen ein besonders gutes Auge für Gesichtsmerkmale haben, die zu ihrer eigenen Stimmung passen, so Jolij und Meurs. Sie zeigten allerdings auch, dass der Effekt über die objektiv korrekte Wahrnehmung hinausgehe und sich sogar auf eingebildete Wahrnehmungen erstrecke.

Forschung: Jacob Jolij und Maaike Meurs, Psychologie, Rijksuniversiteit Groningen, Groningen

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(4), e18861, DOI 10.1371/journal.pone.0018861

WWW:
Psychologie, Rijksuniversiteit Groningen
Visual Perception: Contexts and Expectations

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