Posted in: Biologie, Kultur 14. April 2011 18:00 Weiter lesen →

Wal-Pop

Foto zeigt Buckelwal mit langen, pockigen Flippern im hellblauen Wasser, dicht unter der Oberfläche, ein Hohlkreuz machend Auch Wale kennen eine Art Popmusik, belegt eine Langzeitstudie einer internationalen Forschergruppe. Bei Buckelwalen im Pazifik springen besonders beliebte Gesänge von einer Population auf die nächste über – und werden oft nicht minder rasch von neuen Hits abgelöst.

Foto: NOAA

Binnen weniger Jahre kann eine solche Woge der Begeisterung eine Entfernung von vielen Tausend Kilometern zurücklegen, ermittelten die Forscher um Ellen Garland und Michael Noad von der University of Queensland im australischen Gatton. Ihre Beobachtungen stellen sie im Fachblatt „Current Biology“ vor.

Über einen Zeitraum von elf Jahren studierten die Forscher die Gesänge von Buckelwalen (Megaptera novaeangliae) im südlichen Pazifik. Die Walspezies ist dafür bekannt, dass die Männchen einer Population in einem Jahr den gleichen, streng hierarchisch aufgebauten Gesang anstimmen, der allerdings von Jahr zu Jahr stark variieren kann.

Mitunter werden einzelne Lautfolgen, größere Strophen oder ganze Themen eines Gesangs verändert oder ergänzt, fanden die Biologen bei der Analyse von Unterwasseraufnahmen. Mitunter wird aber auch ein vollständiger Gesang gegen einen neuen ausgetauscht.

soundfile-symbol Etwas Wal-Pop (MP3, ca. 1,8 MB). Courtesy Current Biology/Garland.

Diese Entwicklung springt häufig von einer Walpopulation auf die nächste über und läuft typischerweise von West nach Ost, stellten Garland und Kollegen fest. So wurde ein besonders erfolgreicher Gesang der Buckelwale vor Westaustralien in der Saison 1996/1997 von ihren Verwandten vor Ostaustralien übernommen. In den folgenden Jahren tauchte er dann in Neukaledonien auf, danach in Tonga, Amerikanisch-Samoa, den Cook-Inseln und schließlich in Französisch-Polynesien – gut 13.000 Kilometer von seinem Ursprung im Indischen Ozean entfernt.

Auf welche Weise sich die Pop-Welle ausbreite – ob durch gelegentliche Wechsel einzelner Individuen in eine Nachbarpopulation oder durch Aufschnappen während der jährlichen Wanderung -, sei derzeit noch unklar, erklärt Garland. Ähnliches gelte für die Frage nach dem treibenden Faktor: „Wir glauben, dass hinter dem Streben der Männchen nach neuen Gesängen die Hoffnung steht, ein kleines bisschen anders und damit vielleicht attraktiver für das andere Geschlecht zu sein“, so die Forscherin. „Dann kommt jedoch das Streben hinzu, den gleichen Gesang wie die anderen zu haben – der Zwang zur Konformität.“

Forschung: Ellen C. Garland, Anne W. Goldizen und Michael J. Noad, School of Veterinary Science und School of Biological Sciences, University of Queensland, Gatton und St. Lucia, und South Pacific Whale Research Consortium, Avarua, Cook Islands; und andere

Veröffentlichung Current Biology (im Erscheinen)

WWW:
Cetacean Ecology and Acoustics Laboratory, University of Queensland
Humpback Whale
Der Gesang der Buckelwale

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Blauwale treffen den richtigen Ton
Erholung bei Buckelwalen


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