Posted in: Biologie, Paläontologie 13. April 2011 19:14 Weiter lesen →

Früher Landausflug

Mikroskopaufnahme zeigt Pacman-artige dunkelgraue Gebilde in hellblauer Matrix Die Ahnen der heutigen Tiere und Pflanzen haben den Schoß des Urmeeres früher verlassen als bislang angenommen. Entsprechende Fossilien haben amerikanische und englische Geowissenschaftler in Schottland entdeckt. In mehr als eine Milliarde Jahre altem Gestein fanden sie Gebilde aus organischem Material, die sie als Überreste relativ hochentwickelter Organismen deuten.

Foto: Oxford University/Martin Brasier (Größenmaßstab: 10 Mikrometer)

Selbst die kleinsten dieser Gebilde sind noch mehrere Hundertstel Millimeter groß und damit um ein Vielfaches größer als typische Bakterien und Archäen, berichten Paul Strother vom Boston College und seine Kollegen im Magazin „Nature“. Allein dieser Umstand spricht nach Ansicht der Forscher dafür, dass die Gebilde von Eukaryoten stammen – jenen Organismen, deren Erbgut in einen Zellkern eingeschlossen ist und die den dritten großen Ast im Stammbaum des Lebens bilden.

Strother und Kollegen fanden die Fossilien in Gestein aus dem äußersten Nordwesten Schottlands. Dort liegen mächtige Schichten von Sedimentgesteinen, die in einer urzeitlichen Seenlandschaft abgelagert wurden. Nachträglich wieder aufgefüllte Risse sowie Abdrücke von Regentropfen in dem urzeitlichen Gestein zeigen, dass diese Landschaft gelegentlich austrocknete.

Passend dazu scheint es sich bei vielen der mit Säure aus dem Stein gelösten „Acritarchen“ um robuste Überdauerungsstadien zu handeln. Einige dieser Hüllen enthalten offenbar noch Bündel von Zellen, andere sind entlang vorgeformter Linien aufgerissen und verlassen. Von einem aktiven, wachsenden Organismus scheint dagegen ein fast einen Millimeter großes und lappenförmiges Gebilde zu stammen. Es besteht offenbar aus Zellen, die nicht einfach Seite an Seite wachsen, sondern einen festen Gewebeverband bilden, berichten die Forscher.

Auch die Struktur und der Organisationsgrad der Gebilde deuteten auf Organismen mit einem echten Zellkern als Urheber hin, so Strother und Kollegen weiter. „Die augenscheinliche Dominanz von Eukaryoten in einem Umfeld außerhalb des Meeres lässt vermuten, dass die Evolution der Eukaryoten auf dem Land sehr viel früher begann als bislang gedacht“, folgern die Forscher.

Forschung: Paul K. Strother, Department of Earth and Environmental Sciences, Boston College, Weston; Leila Battison und Martin D. Brasier, Department of Earth Sciences, University of Oxford, Oxford; Charles H. Wellmann, Department of Animal and Plant Sciences, University of Sheffield, Sheffield

Veröffentlichung Nature, 13. April 2011, DOI 10.1038/nature09943

WWW:
Palaeobotany Laboratory, Boston College
Palaeobiology, Oxford University
Das Proterozoikum
Eukaryoten
Acritarch
Torridonian

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Als die Vielzeller Fuß fassten

Posted in: Biologie, Paläontologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.