Posted in: Biologie 30. März 2011 01:01 Weiter lesen →

Wespen räumen Konkurrenz aus dem Weg

Blick von oben auf eine Wespe mit typischer schwarz-gelber Zeichnung im Flug Ein verblüffendes Verhalten haben neuseeländische Biologen bei eingeschleppten Wespen beobachtet. Wenn sich die Tiere an einem Leckerbissen mit Ameisen konfrontiert sehen, packen sie diese mit ihren Kiefern und lassen sie im Flug wieder fallen. Auf diese Weise räumen sie die Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg.

Foto: Soebe via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Die Ameisen überstehen die rabiate Abfuhr in den meisten Fällen unverletzt, fanden Julien Grangier und Philip Lester von der Victoria University in Wellington. Allerdings sind sie nach der unsanften Landung oft so verwirrt, dass sie gar nicht erst versuchen, wieder zu dem Leckerbissen zu gelangen.

Eine derart handgreifliche Konkurrenz, bei der eine Insektenspezies eine andere vom Zugriff auf eine Ressource abhalte, sei nie zuvor beschrieben worden, erläutern die beiden Forscher im Fachblatt „Biology Letters“. „Unseres Wissens nach handelt es sich bei diesem Verhalten um eine neue Form der Interferenz.“

Grangier und Lester stellten ihre Beobachtungen in den Scheinbuchenwäldern Neuseelands an. Die in Mitteleuropa vertraute Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) tritt dort als eingeschleppter Störenfried auf, der sich aggressiver verhält als heimische Wespen und zudem mit der angestammten Fauna in Konkurrenz tritt. Die Forscher studierten diese Interaktion, indem sie Stückchen von Thunfischfleisch auslegten und das weitere Geschehen filmten.

Insgesamt 31 Stunden Filmmaterial zeigten fast 1.300 Begegnungen zwischen Gemeinen Wespen und heimischen Ameisen. Mehr als 90 Prozent dieser Begegnungen verliefen glimpflich, da die Wespen direkt wieder abdrehten oder aber das Weite suchten, nachdem sie mit Bissen und Säure begrüßt worden waren. In fast 7 Prozent der Fälle packte sich jedoch eine Wespe eine Ameise, flog ein Stück von dem Fleisch weg, ließ die Konkurrentin fallen und steuerte dann wieder das Fleisch an.

Das erstaunliche Verhalten war umso häufiger zu beobachten, je mehr Ameisen sich an dem Köder befanden. Die Wespen betrachten die Ameisen aber nicht etwa als Beute, sind Grangier und Lester überzeugt. Gegen diese Vermutung spreche schon die Tatsache, dass die Ameisen von den ungleich größeren Wespen nicht verletzt würden, so die Forscher. Hatte das Fleisch nur wenige Ameisen angelockt, zankten sich die Wespen dagegen untereinander um den Leckerbissen.

Forschung: Julien Grangier und Philip J. Lester, Centre for Biodiversity and Restoration Ecology, School of Biological Sciences, Victoria University of Wellington, Wellington

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2011.0165

WWW:
Centre for Biodiversity and Restoration Ecology, Victoria University of Wellington
Global Invasive Species Database
Vespula vulgaris
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1 Kommentar zu "Wespen räumen Konkurrenz aus dem Weg"

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  1. Ameisenforum | 30. März 2011 07:26