Posted in: Biologie 30. März 2011 17:16 Weiter lesen →

Fatale Schwingungen

Makroaufnahme einer kleinen dunkelbraunen Erdzikade mit hellbraunen Augen und heller Aderung der Flügeldecken auf einem sattgrünen Blatt Viele Insekten nutzen Vibrationen, um potenzielle Geschlechtspartner auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Kommunikationskanal ist längst nicht so abhörsicher wie lange Zeit angenommen, zeigen Experimente walisischer und slowenischer Biologen. Hungrige Spinnen verstehen es demnach, den Schwingungen bis zu ihrem Urheber zu folgen.

Das Liebesgeflüster der Erdzikade Aphrodes makarovi ist nicht abhörsicher. Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Raubtiere haben im Laufe der Evolution die Fähigkeit entwickelt, die Signale ihrer Beute zu deuten“, erklären die Forscher um Meta Virant Doberlet und William Symondson von der Universität Cardiff und vom Nationalen Institut für Biologie in Ljubljana. „Bislang nahm man jedoch an, dass dies nur für visuelle, akustische und chemische Arten der Kommunikation gilt.“

Insekten wie Käfer oder Zikaden können den Untergrund – etwa das Blatt, auf dem sie sitzen – in Vibration versetzen, indem sie mit Gliedmaßen oder Hinterleib darauf trommeln. Virant Doberlet und Kollegen überprüften nun die Hypothese, dass diese Signale nicht sehr weit tragen und daher auch nicht von Fressfeinden abgehört werden.

Die Forscher untersuchten zunächst den Darminhalt wildlebender Rotgestreifter Kugelspinnen (Enoplognatha ovata), einer auch in Deutschland verbreiteten Spinnenart. Tatsächlich fand sich darin umso häufiger DNA von Erdzikaden (Gattung Aphrodes), je höher momentan der Anteil geschlechtsreifer Tiere an der Zikadenpopulation war. Nachfolgende Laborversuche bestätigten den Verdacht, dass die Spinne die Vibrationssignale der Zikaden abhören und sie bis zu ihrer Quelle zurückverfolgen kann, um Beute zu machen. Das gilt besonders für die kräftigeren Signale männlicher Zikaden.

„Unsere Entdeckung offenbart eine bislang nicht berücksichtigte Strategie zur Lokalisierung von Beute“, schreiben Virant Doberlet, Symondson und Kollegen im Fachblatt „Molecular Ecology“. Die Kommunikation mittels Vibrationen und ihr Missbrauch seien umso interessanter, als sie die Evolution sowohl der Beute als auch der Räuber beeinflusst haben dürften, so die Biologen.

Forschung: Meta Virant Doberlet, R. Andrew King, Jernej Polajnar und William O. C. Symondson, School of Biosciences, Cardiff University, Cardiff, und Oddelek za entomologijo, Nacionalni inštitut za biologijo, Ljubljana

Veröffentlichung Molecular Ecology, DOI 10.1111/j.1365-294X.2011.05038.x

WWW:
Arbeitsgruppe William Symondson, Cardiff University
National Institute of Biology, Ljubljana
Rotgestreifte Kugelspinne
Zikaden
Animal Sound and Vibration
Vibration Communication in Insects

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