Posted in: Paläontologie 24. März 2011 21:03 Weiter lesen →

Schnappschuss aus der Urzeit

Ausschnitt des Fossils zeigt zwei tentakelbesetzte Arme, die aus einer konischen Struktur ragen Als lebende Fossilien werden Tiere und Pflanzen bezeichnet, deren Evolution scheinbar zum Stillstand gekommen ist. Wenn eine Gruppe diesen Namen verdient, dann ist es eine Klasse kleiner wurmartiger Meeresbewohner, haben chinesische und englische Forscher entdeckt. Ein von ihnen untersuchtes Fossil belegt, dass sich die als Flügelkiemer bezeichneten Tiere seit mehr als einer halben Milliarde Jahre nicht wesentlich verändert haben.

Aus der spitz zulaufenden Wohnröhre ragen zwei dunkle, tentakelbesetzte Arme (Bildausschnitt ca. 1,5 cm). Foto: Professor Derek Siveter, Oxford University

Bei allen bislang gefundenen Fossilien von Flügelkiemern (Pterobranchia) sei nur die typische Wohnröhre zu erkennen, erklärt David Siveter von der University of Leicester. Ganz anders im Fall des neuen Fossils, so der Forscher. „Erstaunlicherweise ist darin sogar das Weichgewebe ausnehmend gut erhalten – einschließlich Armen und Tentakeln für den Nahrungsfang. Wir erhalten nun einzigartige Einblicke in die urzeitliche Biologie der Gruppe.“

Das von Siveter und Kollegen untersuchte Fossil ist etwa 525 Millionen Jahre alt. Wie viele andere außergewöhnliche Fossilien vor ihm stammt es aus der Chengjiang-Lagerstätte in der südchinesischen Provinz Yunnan. Die Versteinerung zeigt ein annähernd wurmartiges Tier in einer spitz zulaufenden Wohnröhre, wie sie bei heutigen Flügelkiemern aus erstarrtem Proteinsekret besteht.

Die Röhre mit ihrer geringelten Wand ist etwa 14 Millimeter lang. Aus ihr hervor ragen zwei dunkle, mehr als 20 Millimeter lange Arme, die mit je zwei Reihen kleiner Tentakeln besetzt sind. Zudem scheint das Tier eine Art einziehbaren Stängel besessen zu haben, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

Mit einer Gesamtlänge von mehr als vier Zentimeter sei der Galeaplumosus abilus getaufte Flügelkiemer größer als alle fossilen und heute lebenden Verwandten, so Siveter und Kollegen. Von der Größe abgesehen zeige er aber praktisch alle Merkmale, die auch von später auftretenden Vertretern bekannt seien. Offenbar befinde sich die gesamte Gruppe in einer evolutionären Starre und habe sich kaum verändert, während um sie herum zahllose Tiergruppen neu aufgetreten und nicht selten wieder verschwunden seien.

Forschung: Xian-Guang Hou, David J. Siveter, Derek J. Siveter und Xiao-Ya Ma, Yunnan Key Laboratory for Palaeobiology, Yunnan University, Kunming, Department of Geology, University of Leicester, und Museum of Natural History und Department of Earth Sciences, University of Oxford; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 21 (im Erscheinen)

WWW:
Yunnan University
Paleobiology Group, University of Leicester
Introduction to Hemichordata
Chengjiang Fossil Lagerstätte

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
100 Millionen Jahre Starre
Paläo-Polonaise


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