Posted in: Gesundheit, Medizin, Soziales 15. März 2011 16:58 Weiter lesen →

Lebenserwartung variiert mit Geburtsmonat

Blick auf einen Jahreskalender Die Lebenserwartung eines Menschen hängt auch davon ab, in welchem Monat er das Licht der Welt erblickt hat. Das haben Greifswalder Mediziner bei der Analyse von mehr als sechs Millionen Sterbefällen in Deutschland ermittelt. Statistisch gesehen bedeutet der Geburtsmonat Mai demnach ein neun Monate kürzeres Leben als der Geburtsmonat November.

Foto: Birgit Ugur /aboutpixel.de

Zumindest für Männer verstärkt sich der Kontrast noch, wenn man nur die Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet, fanden Thorsten Reffelmann vom Universitätsklinikum Greifswald und seine Kollegen. Über die Gründe könne man derzeit nur spekulieren, so der Mediziner. „Neben meteorologischen Daten oder der Sonnenlichtexposition sind auch viele andere Einflussgrößen denkbar.“ Dazu gehörten etwa Nahrungsangebot, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten und körperliche Aktivität.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Hinweise dafür entdeckt, dass die Bedingungen während der ersten Monate vor und nach der Geburt sich sehr langfristig auf die Gesundheit in späteren Jahren auswirken. Reffelmann und Kollegen untersuchten diesen Zusammenhang, indem sie Daten über sämtliche in Deutschland registrierten Todesfälle der Jahre 1992 bis 2007 analysierten. Die Resultate präsentieren sie im „Journal of the American College of Cardiology“.

Betrachtet man alle Todesursachen, sterben in Mai bzw. November geborene Männer demnach im Alter von durchschnittlich 71,0 bzw. 71,8 Jahren, bei Frauen sind es 79,3 und 80,1 Jahre. Beschränkt man sich auf Todesursachen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck, liegen die Werte für Männer bei 74,9 und 75,9 Jahren und für Frauen bei 83,1 und 83,7 Jahren.

Der jahreszeitliche Gang der Lebenserwartung lässt sich in allen geografischen Regionen Deutschlands nachweisen, in allen Bundesländern und in städtischen wie auch in ländlichen Gebieten. Nicht zuletzt zeigt er sich auch dann, wenn man die Daten nach dem Sterbemonat gruppiert. Ein rein arithmetischer Effekt, bedingt durch die unterschiedlichen Sterberaten in den einzelnen Monaten, sei damit ausgeschlossen, so die Forscher.

Forschung: Thorsten Reffelmann und Stephan B. Felix, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B, Universitätsklinikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; und andere

Veröffentlichung Journal of the American College of Cardiology, Vol. 57(7), pp 887-9, DOI 10.1016/j.jacc.2010.10.021

WWW:
Innere Medizin B, Universität Greifswald
Fetal Origins Hypothesis
Statistisches Bundesamt: Geburten und Sterbefälle

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