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Gelernte Riecher

Dienstag, 15. März 2011, 15:14 • Rubrik Psychologie.

Foto zeigt Blick vom Fußende auf einen liegenden Mann, den Kopf in einem mächtigen Torus, über ihn gebeugt eine junge Frau Eine gute Nase ist auch eine Frage der Übung, zeigen Untersuchungen einer französischen Forschergruppe. Allein die Vorstellung eines Geruchs ruft demnach bei Parfümeuren eine ähnliche Gehirnaktivität hervor wie das tatsächliche Riechen. Und je größer die Erfahrung ist, umso leichter gelingt das Riechen durch die geistige Nase.

Foto: Jean-Pierre Royet/CNRS

So wie das lebhafte Vorstellen von Bildern oder Musik beruhe offenbar auch das Wachrufen von Gerüchen auf der Reaktivierung typischer Muster der Nervenaktivität, folgern Jane Plailly von der Université Claude Bernard in Lyon und ihre Kollegen. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Human Brain Mapping.”

Die Gruppe konnte erfahrene und angehende Parfümeure für ihre Studie gewinnen. Diese lagen zwecks Kartierung ihrer Gehirnaktivität in der Röhre eines Kernspintomografen und stellten sich auf Kommando die Gerüche einzelner Verbindungen vor – darunter etwa das Dihydromyrcenol mit seinem süßlichen Zitrusduft oder das Triplal mit seiner herben, an Bergamotten erinnernden Note.

In beiden Gruppen stellte sich daraufhin die gleiche Aktivität in der Riechrinde an der Unterseite des Großhirns ein, wie sie auch beim Schnuppern an den Duftstoffen zu beobachten ist. Bei den langjährigen Parfümeuren trat diese Veränderung sehr rasch ein, während die angehenden Parfümeure etwas länger brauchten.

Der Anstieg der Gehirnaktivität war bei den erfahrenen Riechern deutlich schwächer als bei den Anfängern, fanden Plailly und Kollegen. Offenbar können die entsprechenden Aktivitätsmuster als Folge langjährigen Trainings effizienter und daher mit weniger Aufwand wachgerufen werden, schließen die Forscher. Dieses Resultat demonstriere die enorme Anpassungsfähigkeit des Gehirns an unterschiedliche Anforderungen.

Forschung: Jane Plailly und Jean-Pierre Royet, Neurosciences Sensorielles, Comportement, Cognition, CNRS und Université Claude Bernard Lyon 1, Institut Fédératif des Neurosciences de Lyon, und Chantal Delon-Martin, INSERM U836 und Institut des Neurosciences, Université Joseph Fourier, Grenoble

Veröffentlichung Human Brain Mapping, DOI 10.1002/hbm.21207

WWW:
Neurosciences & Systèmes Sensoriels, Lyon
Riechen: Projektionen im Gehirn
Parfüm

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Riechen im Bruchteil einer Sekunde
Wandelbare Riechkolben


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