Posted in: Biologie, Paläontologie 23. Februar 2011 01:01 Weiter lesen →

Gepanzerte Zapfen gegen Samenräuber

Nahaufnahme eines geöffneten, pummeligen Kiefernzapfens mit kräftigen Deckschuppen Die Evolution der Tierwelt spiegelt sich auch in der Entwicklung der Bäume wider. Das gilt ganz besonders für die Zapfen der Nadelbäume, glaubt ein amerikanischer Forscher. Als im Jura die langhalsigen Dinosaurier aus der Gruppe der Sauropoden und zudem Insekten mit kräftigen Mundwerkzeugen auftauchten, legten sich die Koniferen demnach gut gepanzerte Zapfen zu.

Foto: Dixi via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Die Größe der in den Zapfen gebildeten Samen blieb dagegen über Hunderte von Jahrmillionen nahezu konstant, ermittelte Andrew Leslie von der University of Chicago. Seiner Ansicht nach zeigt sich hier „eine grundlegende Veränderung in der Art der ökologischen Beziehungen, die die Bäume in den jura- und kreidezeitlichen Ökosystemen erfuhren“.

Die Koniferen tauchten bereits im Karbon vor mehr als 300 Millionen Jahren auf. Ihre typischen Zapfen sind als Fossilien oft sehr gut erhalten. Leslie, mittlerweile an der Yale University tätig, nutzte diesen Umstand, um die Zapfen von rund 300 ausgestorbenen und heute lebenden Spezies zu vergleichen. Die Resultate stellt er in den „Proceedings of the Royal Society“ vor.

Die Form der männlichen Zapfen, in denen der Pollen gebildet wird, hat sich demnach seit dem Erdaltertum kaum verändert. Bei den weiblichen Zapfen als Trägern der Samenanlagen zeigt sich dagegen ein Schwenk im Jura. Waren zuvor schlanke Zapfen die Regel, bildeten viele Nadelbäume nun vergleichsweise dicke Zapfen. Der Trend setzt sich bis in die nachfolgende Kreidezeit fort, sodass schließlich alle untersuchten Koniferenspezies weibliche Zapfen trugen, die im Umriss heutigen Pendants entsprachen.

Parallel dazu setzten sich auch Zapfen mit kräftigen Deckschuppen durch, ermittelte Leslie. Diese Schuppen liegen nicht wie Dachziegel übereinander, sondern erinnern eher an Mauerziegel mit sehr schmalen Fugen zwischen benachbarten Schuppen. Durch diesen hölzernen Panzer vor hungrigen Mäulern geschützt, können sich die kostbaren Samen bis zum Ausstreuen ungestört entwickeln.

Forschung: Andrew B. Leslie, Department of the Geophysical Sciences, University of Chicago

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 23. Februar 2011, DOI 10.1098/rspb.2010.2648

WWW:
Andrew Leslie, Yale University
Zapfen
The Conifers
Introduction to the Mesozoic Era
Dinosaurier.org

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Elefanten formen Bäume


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