Posted in: Psychologie 23. Februar 2011 23:00 Weiter lesen →

Gehirn akzeptiert dritten Arm

Foto zeigt Gummihand neben echter Hand, ein Messer über beiden schwebend Das Gehirn hat eine ungefähre Vorstellung von den verschiedenen Teilen des Körpers. Dieses Körperbild ist allerdings leicht beeinflussbar, belegt ein verblüffendes Experiment schwedischer Forscher. Dessen Teilnehmer ließen sich auf einfache Weise dazu bringen, eine Gummiattrappe ganz selbstverständlich als dritten Arm wahrzunehmen.

Foto: Guterstam A, Petkova VI, Ehrsson HH (2011), PLoS ONE 6(2): e17208, DOI 10.1371/journal.pone.0017208

Die Flexibilität des Körperbildes könnte sich vor allem in der Medizin als nützlich erweisen, glaubt Henrik Ehrsson vom Karolinska-Institut in Stockholm. „In Zukunft können wir vielleicht halbseitig gelähmten Schlaganfall-Patienten mit einem künstlichen Arm helfen, der als eigenes Glied wahrgenommen wird, während der gelähmte Arm weiterhin Teil des Körperbildes ist.“

Frühere Experimente hatten gezeigt, dass sich das Körperbild mit wenig Aufwand beeinflussen lässt, etwa im Falle der „Gummihand-Illusion“. Dabei sieht eine Person eine Hand samt Arm aus Gummi in natürlicher Position und Stellung zum Körper, während der eigene Arm unter einer Decke verborgen ist. Werden nun die Gummihand und die echte Hand mehrmals gleichzeitig berührt, wird das künstliche Glied schließlich als Teil des Körpers empfunden.

Synchrone Berührung und eine natürliche Stellung zum Körper erleichtern das Adoptieren der Kunsthand. Video: Karolinska Institutet

Ehrsson und seine Gruppe führten nun ähnliche Versuche mit insgesamt 154 Freiwilligen durch, bei denen die eigene Hand jedoch nicht versteckt war. Stattdessen lag sie entspannt neben ihrem künstlichen Abbild auf dem Tisch, an dem die Teilnehmer saßen. Auch in diesem Fall wurde die Attrappe problemlos in das Körperbild übernommen, berichten die Forscher im Fachblatt „PLoS ONE“. Das ging so weit, dass die Teilnehmer merklich ins Schwitzen kamen, sobald ein Küchenmesser auf die Gummihand zu bewegt wurde.

„Man sollte erwarten, dass lediglich eine der beiden Hände als die eigene wahrgenommen wird, am ehesten die echte“, erläutert Ehrssons Kollege Arvid Guterstam. „Überraschenderweise fanden wir jedoch, dass das Gehirn diesen Konflikt auflöst, indem es beide Hände als Teil des Körperbildes akzeptiert“, so der Forscher. „Die Versuchsteilnehmer haben also das Gefühl, einen dritten Arm zu besitzen.“

Forschung: Arvid Guterstam, Valeria I. Petkova und H. Henrik Ehrsson, Institutionen för neurovetenskap, Karolinska Institutet, Stockholm

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(2), e17208, DOI 10.1371/journal.pone.0017208

WWW:
Brain, Body and Self Laboratory, Henrik Ehrsson
Homunculus in der Neuroanatomie
Der Artikel online

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Werkzeuge als Körperteile
Das „Körperbild“ entsteht im Kopf


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1 Kommentar zu "Gehirn akzeptiert dritten Arm"

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  1. Phamos sagt:

    Als Kind bin ich mal an Fasching als Dinosaurier gegangen.^^
    Mit einem gebastelten Schwanz hat es sich da so ähnlich angefühlt.;)

    Doch das ist ja nichts neues. Schon 1998 wurde das herausgefunden.
    Oder sind die „Details“ neu, dass das Gehirn beide Hände für die eigenen hält??

    Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wissenschaftler-arbeiten-an-ausserkoerperlicher-Erfahrung-1196426.html