Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 22. Februar 2011 11:53 Weiter lesen →

Krill: 12 Sekunden Romantik

Foto zeigt langgestreckten Krill mit Schwimmbeinen, Fangkorb, im schwarzen Wasser schwebend Das Liebesleben des Krills ist hektisch, aber nicht oberflächlich. Australischen Forschern ist es erstmals gelungen, die Paarung der kleinen Krebse im Südpolarmeer zu filmen. Überraschenderweise stellen die Männchen den Weibchen selbst noch in 700 Metern Tiefe nach.

Foto: Prof. Dr. habil. Uwe Kils, www.ecoscope.com, via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Bereits früher war Krill, der in der Antarktis die Lebensgrundlage für Wale, Pinguine, Robben und andere Tiere stellt, in großen Tiefen und dicht über dem Meeresgrund beobachtet worden. Allerdings sei man davon ausgegangen, dass sich Nahrungssuche und Paarung der Krebse allein in den oberen 200 Metern der Wassersäule abspielten, erläutert So Kawaguchi von der Australian Antarctic Division.

Diese Ansicht muss möglicherweise überdacht werden, fanden Kawaguchi und Kollegen bei einer Forschungsfahrt in die Gewässer vor der Ostantarktis. Bei 16 Gelegenheiten ließen sie ein Kamerasystem bis zum Grund in bis zu 869 Metern Tiefe hinab. In 14 Fällen zeigten die Aufnahmen Antarktischen Krill (Euphausia superba), der sich um die Scheinwerfer drängelte – und häufig auch paarte.

Indem sie die Aufnahmen in Zeitlupe analysierten, konnten die Forscher die vollständige Paarung der Krebse nachvollziehen. Den Auftakt bildet eine rasante Verfolgungsjagd, bei der ein oder mehrere Männchen einem Haken schlagenden Weibchen nachstellen. Auf ein kurzes Betasten folgt dann eine regelrechte Umarmung und schließlich windet sich ein Männchen ringförmig um das Weibchen. Vermutlich übergibt es in dieser Stellung seine Samenpakete. Zum Abschluss schieben die Männchen die Weibchen noch einige Sekunden lang vor sich her – möglicherweise, um eine vollständige Entleerung der Samenpakete zu erreichen.

„Das komplette Paarungsritual dauert nur zwölf Sekunden“, erklärt Kawaguchi. Zwar könne man nicht ausschließen, dass erst das Scheinwerferlicht die Paarungen in der Tiefe ausgelöst habe. Im Verein mit den früheren Beobachtungen belegten die neuen Daten jedoch, dass der Lebenszyklus der Krebse nicht auf die oberflächennahen Wasserschichten beschränkt sei, so der Forscher. „Daraus ergeben sich bedeutende Konsequenzen für unser Verständnis des Ökosystems Südpolarmeer und auch für das Management der Krillfischerei.“

Forschung: So Kawaguchi und Stephen Nicol, Department of Sustainability, Environment, Water, Population and Communities, Australian Antarctic Division, Kingston; Lisa Roberts, Sydney; und andere

Veröffentlichung Journal of Plankton Research, DOI 10.1093/plankt/fbr006

WWW:
Australian Antarctic Division
Krill
Das Meereis – Ein antarktischer Lebensraum

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