Posted in: Genetik, Geschichte 11. Februar 2011 15:52 0 Kommentare Weiter lesen →

Schwedens genetisches Spektrum

Schwedische Flagge, gebildet aus den DNA-Buchstaben A, C, G und T Geschichte und Geografie eines Landes spiegeln sich auch in den Genen seiner Einwohner wider. Das demonstriert ein groß angelegter Erbgutvergleich in Schweden. Demnach bestehen deutliche genetische Unterschiede zwischen dem Süden und dem Norden des Landes. Letzterer neigt mit seiner dünnen Besiedlung und seinen großen Flusstälern zudem zur stärkeren lokalen Gruppenbildung.

Damit nicht genug, unterscheiden sich die Schweden relativ deutlich von ihren direkten Nachbarn, erklärt Juha Kere von der Universität Helsinki und vom Karolinska-Institut in Stockholm. “Trotz enger Kontakte innerhalb der nordischen Region scheinen die Schweden den Deutschen und Briten in genetischer Hinsicht näher zu stehen als den Finnen”, so der Genetiker.

Die neuen Resultate passen wiederum gut zur Geschichte des Landes, schreiben Kere und Kollegen im Fachblatt “PLoS ONE”. Nach der von Mitteleuropa ausgehenden Besiedlung sei der Süden lange Zeit germanisch geprägt gewesen, während der Norden sich stärker an Finnland bzw. Karelien gehalten habe. Erst ab dem 11. Jahrhundert seien die einzelnen Gebiete unter einer Herrschaft vereint worden.

Kere und seine Kollegen nutzten für ihre Analyse Daten von 1.500 Teilnehmerinnen einer schwedischen Brustkrebs-Studie sowie von rund 100 schwedischen Männern. Das Erbgut jeder dieser Personen war mit Genchips auf rund 350.000 Varianten an einzelnen DNA-Positionen untersucht worden. Mithilfe statistischer Verfahren fahndeten die Forscher nach einer Struktur in den resultierenden Datenmassen. Zusätzlich stellten sie einen Vergleich mit ähnlichen Daten aus anderen Ländern an.

“Wenn wir verstehen wollen, woher wir kommen und welche Gene bei Krankheiten eine Rolle spielen, ist das Wissen um die genetische Struktur einer Bevölkerung von großer Bedeutung”, erklärt Keres Kollege Per Hall. Beispielsweise könnten Studien zum Einfluss von Genvarianten auf die Krankheitsanfälligkeit leicht falsche Ergebnisse liefern, wenn man nicht auch die geografische Herkunft der Teilnehmer berücksichtige.

Forschung: Elina Salmela, Tuuli Lappalainen, Per Hall und Juha Kere, Institute for Molecular Medicine Finland und Department of Medical Genetics, University of Helsinki, und Folkhälsan Institute of Genetics, Helsinki, Department of Medical Epidemiology and Biostatics und Department of Biosciences and Nutrition, Karolinska Institutet, Stockholm und Huddinge; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(2), e16747, DOI 10.1371/journal.pone.0016747

WWW:
Institute for Molecular Medicine Finland
Biosciences and Nutrition, Karolinska Institutet
Geschichte Schwedens
Whole Genome Association Studies

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