Posted in: Biologie 1. Februar 2011 14:14 Weiter lesen →

Steinböcke sparen durch Sonnenbaden

Foto zeigt Gruppe von Steinböcken, an einem grasbewachsenen Felshang im Hochgebirge ruhend Steinböcke legen im Winter ein Verhalten an den Tag, das man eher bei Eidechsen vermuten würde. Wiener Wildtierforscher haben entdeckt, dass die stattlichen Tiere in den kalten Monaten morgens an die nächste sonnenbeschienene Stelle trotten, um sich durch Sonnenbaden allmählich auf Betriebstemperatur zu bringen.

Foto: Claudio Signer

Auf diese, für warmblütige Säuger ungewöhnlich erscheinende Weise können Steinböcke große Mengen von Energie sparen, schätzen Claudio Signer, Thomas Ruf und Walter Arnold von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Im Winter mit seinem knappen Nahrungsangebot stelle das Verhalten also eine wichtige Überlebensstrategie dar. „Möglicherweise spielt die Nutzung externer Wärmequellen für den Energiehaushalt von Säugetieren eine viel größere Rolle als bisher angenommen“, so Arnold.

Kleine Säugetiere überleben die karge Winterzeit, indem sie sich in einen Unterschlupf verkriechen und ihre Aktivität weitgehend reduzieren. Signer und Kollegen gingen der Frage nach, wie der Steinbock (Capra ibex) in den Alpen ohne eine solche Winterruhe auskommt. Dazu versahen die Forscher 20 Tiere mit Sensoren, die zwei Jahre lang den Herzschlag als Maß für die Stoffwechselrate sowie die Körpertemperatur und die Bewegungsaktivität registrierten. Die Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Functional Ecology“.

In den Wintermonaten sank der Puls der Steinböcke um etwa 60 Prozent, zudem ließen sich die Tiere nachts deutlich stärker auskühlen als im Sommer und bewegten sich weniger. Offenbar setzt der Steinbock im Winter also nicht auf mehr Wärmeproduktion durch einen beschleunigten Stoffwechsel, sondern im Gegenteil auf Energiesparen. Allerdings sank der Puls deutlich stärker als aufgrund der physiologischen Spartricks und aufgrund von Wind und Schneefall zu erwarten.

Des Rätsels Lösung lieferte die Betrachtung der morgendlichen Aufwärmphase im Winter. Nach Sonnenaufgang stieg die Körpertemperatur der Steinböcke schneller als die Herzschlagrate – und zwar umso rascher, je höher die momentane Sonneneinstrahlung war. Erst gegen Mittag legten die Tiere wieder ein normales Aktivitätsniveau an den Tag. Offenbar wärmen sich Steinböcke also energiesparend auf, indem sie ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen, folgern die Forscher. Auf diese Weise könnten sich die Tiere auch die starke nächtliche Abkühlung als wichtigste Energiesparmaßnahme leisten.

Forschung: Claudio Signer, Thomas Ruf und Walter Arnold, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien, und Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, Chur

Veröffentlichung Functional Ecology, DOI 10.1111/j.1365-2435.2010.01806.x

WWW:
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Vet-Uni Wien
Steinbock
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