Posted in: Biologie 26. Januar 2011 01:01 Weiter lesen →

Fledermaus lebt in fleischfressender Pflanze

Foto zeigt Kanne zwischen Laubblättern, aus ihrem gestreiften Rand lugt eine kleine Fledermaus, daneben eine Ameise Auf eine verblüffende Partnerschaft sind deutsche und bruneiische Forscher im Tropenwald der Insel Borneo gestoßen. Eine dort lebende Fledermaus macht es sich tagsüber in den kannenförmigen Fallen einer fleischfressenden Pflanze gemütlich. Ihre Ausscheidungen stellen im Gegenzug einen hervorragenden Dünger für die Pflanze dar.

Foto: Michael Schöner, Uni Würzburg

Etwa ein Drittel ihres Stickstoffs bezieht die Kannenpflanze aus Kot und Urin der Fledermaus, ermittelten Ulmar Grafe von der Universität von Brunei Darussalam und seine Kollegen. Für die winzigen Säugetiere könnte der Schutz vor Fressfeinden, Regen und Sonnenstrahlung allerdings noch wichtiger sein als das Nährstoff-Zubrot für die Pflanze, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Biology Letters“.

Grafe und Kollegen, darunter auch Forscher aus Würzburg und Greifswald, war aufgefallen, dass bestimmte Kannenpflanzen mitunter Fledermäuse der Art Kerivoula hardwickii beherbergen. Um mehr über das Phänomen zu erfahren, führten die Biologen regelmäßige Kontrollgänge in einem Waldgebiet durch. Einen Teil der dabei gefundenen „Untermieter“ versahen sie mit winzigen Peilsendern, sodass sie deren Rastgewohnheiten studieren konnten.

Gut ein Viertel der kannenförmigen Blätter, in denen die Pflanzen üblicherweise Insekten fangen und verdauen, waren immer wieder von Fledermäusen belegt, ermittelten die Forscher. Bei zwei Gelegenheiten fand sich sogar ein Muttertier mitsamt Jungtier in einer Falle. Und trotz eines üppigen Angebots an Baumhöhlen und anderen potenziellen Rastplätzen suchten sich die markierten Fledermäuse stets eine Kannenpflanze als Ruheplatz.

Bei den Wirtspflanzen handelt es sich um eine Varietät der Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana. Von den übrigen Formen ihrer Spezies unterscheidet sie sich durch ihre besonders langen und schlanken Kannen, die zudem nur wenig Verdauungsflüssigkeit enthalten. Lediglich in den Kannen dieser Varietät scheinen Fledermäuse ausreichend Platz zu finden, um sich kopfüber festzuklammern und dabei nicht in Kontakt mit der Flüssigkeit zu kommen.

Forschung: T. Ulmar Grafe und Anissa Junaidi, Department of Biology, University Brunei Darussalam; Michael G. Schöner, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 26. Januar 2011, DOI 10.1098/rsbl.2010.1141

WWW:
Biological Sciences Group, University Brunei Darussalam
Ulmar Grafes Blog
Nepenthes – The Tropical Pitcher Plants
Kerivoula hardwickii

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Erbsengroßer Frosch entdeckt
Was Kannenpflanzen in der Kanne haben


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