Posted in: Biologie 19. Januar 2011 01:01 Weiter lesen →

Ehrliches Gelb

Foto zeigt pummeligen meisenähnlichen Vogel mit schwarzer Gesichtsmaske und strahlend gelber Kehle und Brust auf einem dürren Zweig, dunkelgrüner unscharfer Hintergrund Männchen sind nicht unbedingt die Schönfärber, für die sie mitunter gehalten werden. Das gilt zumindest bei einem kleinen Singvogel, haben amerikanische Forscher ermittelt. Das Gelb der männlichen Kehle verrät den Weibchen demnach recht zuverlässig, wie gut ein werbender Romeo mit den Unbilden des Lebens zurechtkommt.

Foto: Cephas via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Je kräftiger die gelben Kehlfedern eines Männchens gefärbt sind, umso weniger Erbgutschäden weisen seine roten Blutkörperchen auf, fanden Corey Freeman-Gallant vom Skidmore College und seine Kollegen. Und je weniger ausgeprägt die DNA-Schädigung als Zeichen für oxidativen Stress ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Vogel den kommenden Winter überlebt, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Biology Letters“.

Mit dem Weiden-Gelbkehlchen (Geothlypis trichas) studierten die Forscher einen kleinen nordamerikanischen Zugvogel, den es im Winter gelegentlich auch nach Europa verschlägt. Ihren Namen verdankt die Art dem durch eingelagerte Carotinoide leuchtend gelb gefärbten Kehlgefieder der Männchen – einem Merkmal, an dem sich die Weibchen bei der Partnerwahl orientieren.

Freeman-Gallant und Kollegen gingen der Frage nach, ob die Carotinoidfärbung ein verlässlicher, vielleicht sogar kostspieliger Indikator für die Gesundheit des Männchens ist. Dazu fingen die Forscher über mehrere Jahre männliche Weiden-Gelbkehlchen und maßen die Lichtreflexion des Kehlgefieders bei verschiedenen Wellenlängen. Zudem bestimmten sie anhand einer winzigen Blutprobe, wie stark die DNA in den roten Blutkörperchen fragmentiert war.

Weder das Alter noch die Bruterfahrung der Männchen scheinen mit dem Ausmaß der DNA-Schädigung in Verbindung zu stehen, ermittelten die Forscher, sehr wohl jedoch die Überlebenschancen. Bei Tieren, die sich im folgenden Frühjahr erneut zum Brüten im Untersuchungsgebiet einfanden, lag der Anteil fragmentierter DNA deutlich niedriger als bei jenen, die den Winter mutmaßlich nicht überstanden.

„Unseres Wissens nach ist dies die erste Untersuchung, die einen Zusammenhang zwischen DNA-Schäden und geschlechtsspezifischen Signalen herstellt“, schreiben Freeman-Gallant und Kollegen.

Allerdings belegten die neuen Resultate nicht, dass Carotinoide wichtig für die Bewältigung von oxidativem Stress seien, betonen die Forscher. Möglicherweise dienten die farbenfrohen Moleküle bei Vögeln vorrangig dekorativen Zwecken. In jedem Fall schienen sie infolge von Infektionen und anderen Stressfaktoren so verlässlich dezimiert zu werden, dass ihr reichliches Vorhandensein im Gefieder ein Männchen auszeichne, das mit derlei Problemen gut fertig werde.

Forschung: Corey R. Freeman-Gallant und Joel Amidon, Department of Biology, Skidmore College, Saratoga Springs, New York; Mark F. Haussmann, Department of Biology, Bucknell University, Lewisburg, Pennsylvania; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 19. Januar 2011, DOI 10.1098/rsbl.2010.1186

WWW:
Corey Freeman-Gallant, Skidmore College
Geothlypis trichas
Honest Signalling Theory
Carotinoide (PDF)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gefieder verrät Kinderstube


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