Posted in: Gesundheit, Medizin, Psychologie 3. Januar 2011 13:13 Weiter lesen →

Größere Plazenta bei Stress

3D-Ultraschallrekonstruktion eines Fötus im Mutterleib in der typischen Haltung Stress in der Schwangerschaft wirkt sich auf die Verbindung zwischen der Mutter und ihrem ungeborenen Kind aus. Das haben Schweizer Forscher anhand der Daten von mehreren Zehntausend Geburten ermittelt. Je stärker sich die Schwangeren im Alltag belastet gefühlt hatten, desto kräftiger entwickelt war die Plazenta, über die das Ungeborene mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird.

Bild: Rizome via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0)

Inwieweit sich das verstärkte Wachstum der Plazenta auf den Fötus auswirkt und ob ihm beispielsweise eine Schutzfunktion zukommt, ist allerdings noch unklar. Die neuen Resultate helfen in jedem Fall, das alltägliche Phänomen Stress und seine Auswirkungen während der Schwangerschaft besser zu verstehen, sind Marion Tegethoff von der Universität Basel und ihre Kollegen überzeugt.

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass sich die Bedingungen im Mutterleib auch lange Jahre nach der Geburt noch auf die Gesundheit des Nachwuchses auswirken können, beispielsweise auf dessen Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Tegethoff und ihre Kollegen in Basel, Dänemark und den USA gingen nun der Frage nach, in welcher Weise die Plazenta zu diesem Zusammenhang beitragen könnte.

Die Forscher analysierten Daten über 78.013 Geburten, die im Rahmen einer groß angelegten Langzeitstudie in Dänemark erhoben worden waren. Die werdenden Mütter waren in der 30. Schwangerschaftswoche zu ihrer Lebenssituation befragt worden, unter anderem zu ihrer Belastung durch ihre finanzielle Lage, Krisen in der Partnerschaft oder durch Erkrankungen von Verwandten. Zudem war das Gewicht der Plazenta als Teil der Nachgeburt bestimmt worden.

Im Schnitt betrug das Plazentagewicht knapp 670 Gramm, schwankte jedoch von Fall zu Fall um wenige Hundert Gramm. Je stärker die Frauen Stress empfunden hatten, desto höher war der Wert. Der Effekt machte zwar nur einige Gramm aus. Aufgrund der großen Zahl von Teilnehmerinnen war er jedoch eindeutig erkennbar und von anderen potenziellen Einflussfaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes zu unterscheiden.

Dieses Resultat bekräftige die Vermutung, dass die Plazenta in der Lage sei, auf ungünstige Einflüsse durch verstärktes Wachstum zu reagieren, schreiben Tegethoff und Kollegen im Fachblatt „PLoS ONE“. Durch welche Signalsysteme diese Reaktion vermittelt werde, müsse in weiteren Studien geklärt werden.

Forschung: Marion Tegethoff und Gunther Meinlschmidt, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychiatrie, Fakultät für Psychologie, Universität Basel, und Abteilung für Verhaltensgenetik, Institut für Psychobiologie, Universität Trier; Jørn Olsen, Department of Epidemiology, University of California, Los Angeles, und Danish Epidemiology Science Centre, Universität Aarhus; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 5(12), e14478, DOI 10.1371/journal.pone.0014478

WWW:
Klinische Psychologie und Psychiatrie, Universität Basel
Danish National Birth Cohort
Plazenta – Organ auf Zeit
Stress

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