Posted in: Biologie, Chemie, Geschichte, Technik 6. Dezember 2010 14:55 Weiter lesen →

Neues von der Titanic

Foto zeigt Bart aus Rostzapfen, die im Scheinwerferlicht gelb-grünlich erscheinen Seit der Entdeckung der Titanic sind Abertausende von Fundstücken aus dem Wrack des Ozeanriesen an die Oberfläche gebracht worden. Darunter ist auch eine neue Bakterienart, die kanadische und spanische Forscherinnen entdeckt haben. Bemerkenswert an der Mikrobe ist vor allem ihr großer Appetit auf Eisen.

Foto: Image courtesy of RMS Titanic Inc.

Der Neuling mit der Bezeichnung Halomonas titanicae gehöre zu einer ganzen Lebensgemeinschaft, die den stählernen Schiffsrumpf allmählich zersetze, erläutert Henrietta Mann von der Dalhousie University in Halifax. Das eingehende Studium dieser Mikroflora könnte vielleicht helfen, den Zersetzungsprozess an Wracks zu beschleunigen und an Schiffen und Bauwerken, die noch genutzt werden, zu bremsen.

Als die Titanic am 14. April 1912 vor Neufundland mit einem Eisberg kollidierte und sank, starben 1.500 Menschen. Erst 73 Jahre später wurde das Wrack des in mehrere Teile zerbrochenen Schiffs gefunden. Rasch zeigte sich, dass die Zeit an dem stählernen Koloss auch in 3,8 Kilometern Wassertiefe nicht spurlos vorübergeht.

Die Titanic trägt mittlerweile einen orangefarbenen Bart aus Eisenoxiden, der von zahlreichen Bakterienarten gebildet und besiedelt wird. Aus einem dieser porösen „Rostzapfen“, der im Jahr 1991 von einem russischen Tauchboot geborgen worden war, isolierten Mann und ihre Kollegin Bhavleen Kaur einen Bakterienstamm, den sie BH1T nannten. Gemeinsam mit spanischen Kollegen konnten sie zeigen, dass dieser Stamm zur Bakteriengattung Halomonas gehört und sich von den übrigen Vertretern ausreichend stark unterscheidet, um zu einer eigenen Art gerechnet zu werden.

Labortests ergaben, dass sich Halomonas titanicae bereitwillig auf Eisenoberflächen ansiedelt und darauf Pocken aus Korrosionsprodukten bildet. Auf diese Weise könnten das Bakterium und seine Verwandtschaft die 40.000 Tonnen Stahl am Meeresgrund in nicht allzu ferner Zukunft gänzlich aufgelöst haben, glaubt Mann. „Im Jahr 1995 habe ich noch vorhergesagt, dass der Titanic noch 30 Jahre bleiben würden.“ Mittlerweile scheine es jedoch, als ginge der Niedergang sehr viel schneller vonstatten als zunächst gedacht, so die Forscherin: „Letzten Endes wird dort nur ein rostiger Fleck bleiben.“

Forschung: Cristina Sánchez-Porro Álvarez und Antonio Ventosa Ucero, Departamento de Microbiología y Parasitología, Universidad de Sevilla; Bhavleen Kaur, Ontario Science Centre, Toronto; Henrietta Mann, Department of Civil Engineering, Dalhousie University, Halifax

Veröffentlichung International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, DOI 10.1099/ijs.0.020628-0

WWW:
Microbiología y Parasitología, Universidad de Sevilla
Civil Engineering, Dalhousie University
RMS Titanic
Rusticles Thrive on the Titanic

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1 Kommentar zu "Neues von der Titanic"

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  1. interessant wären die andockstellen an den eisenmolekülen und ob bestand mit vermehrung in säugetieren und menschen möglich sind. vorstellung: befall von hämoglobin erscheint möglich mit der folge einer neuartigen anämie.