Posted in: Klima, Umwelt, Paläontologie 30. November 2010 10:16 0 Kommentare Weiter lesen →

Klimawandel brachte Reptilien an die Macht

Eidechsen sitzen auf einem Felsen Eine globale Klimaveränderung vor gut 300 Millionen Jahren hat der Evolution der Wirbeltiere ihren Stempel aufgeprägt. Das haben englische Forscher anhand einer umfangreichen Fossiliendatenbank zeigen können. Indem das Klima wärmer und trockener wurde und die immensen Wälder des Erdaltertums in kleinere Inseln zerfielen, kam es demnach lokal zum Aussterben vieler Tierfamilien. Weltweit stieg die Vielfalt jedoch, indem die Evolution in den einzelnen Waldinseln verschiedene Wege einschlug.

Gewinner der Erwärmung. Foto: Marnie /aboutpixel.de

Vor allem Reptilien mit ihrer Schuppenhaut und ihren robusten Eiern hätten von der Umweltveränderung profitiert, erklärt Howard Falcon-Lang vom Royal Holloway College der University of London. “Nach der Isolierung der Reptilienpopulationen konnten sich die einzelnen Gemeinschaften in unterschiedliche Richtungen entwickeln, sodass die Vielfalt insgesamt zunahm.” Auf diese Weise sei auch das Fundament für die spätere Vorherrschaft der Dinosaurier gelegt worden, so der Forscher.

Die großen Verlierer des Klimawandels im Zeitalter des Karbon waren dagegen die auf Wasser angewiesenen Amphibien, belegt die Analyse von Falcon-Langs Kollegin Sarda Sahney von der Universität Bristol. Die Forscherin trug Angaben zu Landwirbeltier-Fossilien aus dem Zeitraum vor 346 bis 270 Millionen Jahren in einer Datenbank zusammen. Anhand von 146 Fundstätten untersuchte sie dann die Entwicklung der globalen Vielfalt der Landwirbeltiere (Tetrapoden) und am Beispiel von 22 besonders ergiebigen Fundstätten auch die jeweilige regionale Entwicklung.

Diese beiden Betrachtungsweisen lieferten sehr unterschiedliche Resultate, berichten Sahney, Falcon-Lang und ihr Kollege Michael Benton im Fachblatt “Geology”. Die globale Vielfalt stieg kontinuierlich über den gesamten Zeitraum von 6 oder 7 auf 39 Tetrapodenfamilien. Regional kam es dagegen vor etwa 307 Millionen Jahren zu einem regelrechten Einbruch der Vielfalt, indem sich die Zahl der Tetrapodenfamilien in den einzelnen Fundstätten im Schnitt halbierte. Diese gegensätzlichen Entwicklungen ließen sich nur durch eine steigende Zahl von endemischen, allein in einem bestimmten Gebiet vorkommenden Arten erklären, so das Forschertrio.

“Wir haben es hier mit einer klassischen ökologischen Reaktion auf eine Fragmentierung des Habitats zu tun”, erläutert Benton. “Den gleichen Prozess kann man auch heute beobachten, wenn eine Tiergruppe von ihrer ursprünglichen Population getrennt wird.” Dabei könne es sich um beispielsweise um Verkehrsinseln im Straßennetz handeln, aber auch um Inseln im eigentlichen Sinne, etwa das Galapagosarchipel.

Forschung: Sarda Sahney und Michael J. Benton, Department of Earth Sciences, University of Bristol, Bristol; Howald J. Falcon-Lang, Department of Earth Sciences, Royal Holloway, University of London, Surrey

Veröffentlichung Geology, Vol. 38, pp 1079-82, DOI 10.1130/G31182.1

WWW:
Palaeobiology and Biodiversity Research Group, University of Bristol
Earth Sciences, Royal Holloway
Der Wandel der Wälder im Laufe des Erdaltertums
Biodiversity
The Basic Model of Island Biogeography
Amniota

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Momentaufnahme eines urtümlichen Waldes
Inselleben ließ Dinosaurier schrumpfen


Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...Loading...

Drucken Drucken


Möchten Sie kommentieren?