Posted in: Biologie 22. November 2010 19:00 Weiter lesen →

Mehr Geselligkeit, mehr Gehirn

Foto zeigt zwei Wölfe, auf einem Baumstumpf in einem Nadelwald stehend Bei den Säugetieren wuchsen Geselligkeit und Gehirngröße im gleichen Takt. Das hat eine englische Forscherin im Rahmen einer statistischen Analyse von 511 Säugerspezies ermittelt. Die Vorzüge des Lebens in Gruppen könnten demnach die Nachteile durch den Energiehunger des Nervengewebes aufgewogen haben.

Foto: Gunnar Ries via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 2.5 Generic

„Unter den Wirbeltieren besteht eine erhebliche Variation der Gehirngröße“, erläutern Susanne Shultz und ihr Kollege Robin Dunbar von der University of Oxford in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Das gelte sowohl für die absolute Gehirnmasse als auch für die Gehirngröße im Verhältnis zur Körpergröße. Mögliche Erklärungen für den Variantenreichtum lägen beispielsweise in der Fähigkeit, Zeiten knappen Nahrungsangebots durch Hungern überstehen oder aber den Mangel durch Zusammenarbeit und Lernvermögen ausgleichen zu können.

Um mehr über diesen Zusammenhang zu erfahren, analysierte Shultz Daten über 511 ausgestorbene und heute noch lebende Vertreter von sechs Säugetierordnungen. Die Anthropologin fand, dass bei Primaten, Walen, Unpaarhufern und Raubtieren eine klare Entwicklung hin zu einem größeren Gehirn erfolgte. Bei Insektenfressern und Paarhufern war dagegen kein solcher Trend erkennbar.

Aber auch innerhalb der einzelnen Ordnungen zeigten sich deutliche Unterschiede. So wurde das Gehirn innerhalb der Raubtiere bei den Hundeartigen offenbar immer größer, nicht jedoch bei den Katzenartigen. „Diese Ergebnisse widersprechen der gängigen Annahme, dass die Gehirnvergrößerung ein genereller Trend in allen Säugetierlinien ist“, so Shultz und Dunbar.

Die jeweilige Hirnentwicklung könnte in engem Zusammenhang mit dem Sozialverhalten stehen, fand Shultz, als sie zusätzlich die Zahl gesellig bzw. einzelgängerisch lebender Arten berücksichtigte. Je größer der Prozentsatz sozial lebender Spezies in einer Ordnung ist, desto schneller verlief demnach auch die evolutionäre Entwicklung hin zu einem größeren Gehirn.

Forschung: Susanne Shultz und Robin Dunbar, Institute of Cognitive and Evolutionary Anthropology, University of Oxford

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1005246107

WWW:
Institute of Cognitive and Evolutionary Anthropology, University of Oxford
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