Posted in: Biologie 17. November 2010 01:01 Weiter lesen →

Fische schlafen im Moskitonetz

Foto zeigt rötlichen Papageifisch mit blauem Auge, eingehüllt in einen durchsichtigen, mit Sand verklebten Schleimkokon im Wasser schwebend Manche Fische schlafen in einer Hülle aus Schleim. Eine Funktion dieses Schlafsacks haben australische Forscherinnen nun erstmals durch Versuche nachweisen können. Der Schleim verhindert demnach, dass die Schläfer von blutsaugenden Krebsen attackiert werden.

Foto: Alexa Grutter

„Um sich dieser Stechmücken des Meeres zu entledigen, suchen die Fische tagsüber die Hilfe von Putzerfischen“, erklärt Alexandra Grutter von der University of Queensland. „In der Nacht fungiert dagegen der Kokon aus Schleim als Moskitonetz und ermöglicht es den Fischen, sicher zu schlafen, ohne fortwährend gebissen zu werden.“

Die schleimige Schlafhülle wird von Papageifischen und anderen Vertretern der Lippfische gebildet. Über ihre Funktion wird schon seit langem spekuliert – eine häufig genannte Vermutung besagt, dass sie die Abgabe verräterischer Duftstoffe an das Meerwasser unterbindet und so vor Fressfeinden schützt. Für diese Annahme gebe es jedoch nur sehr vage Belege, schreiben Grutter und Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“.

Die Forscherinnen testeten die Hypothese, dass der Schleim vor kleinen parasitischen Asselkrebsen schützt. Dazu setzten sie 40 Papageifische (Chlorurus sordidus) in Einzelbecken und warteten, bis diese sich vom Maul bis zum Schwanz in Schleim gehüllt hatten und eingeschlafen waren. Ohne die Schläfer zu wecken, entfernten sie nun bei jedem zweiten die Schleimhülle und gaben dann 20 Asselkrebse (Gnathia aureusmaculatus) in das Becken. Am nächsten Morgen zählten sie, wie viele der Krebschen ihren Darm über Nacht mit Blut gefüllt hatten. Ohne Schleim lag der Anteil bei 95 Prozent, mit Schleim bei lediglich 10 Prozent.

Vielleicht fungierten die Kokons als mechanische Barriere gegen die Krebse, so Grutter und Kollegen, vielleicht verhinderten sie aber auch die Bildung einer Duftspur als Orientierungshilfe. Die neuen Resultate ständen also nicht zwingend im Widerspruch zu einem Schutz vor größeren Fressfeinden. Angesichts des Blutverlustes bei einem massiven Befall mit Asselkrebsen und der Gefahr, von diesen zusätzlich mit parasitischen Einzellern infiziert zu werden, stelle der Schleimmantel in jedem Fall eine lohnende Investition dar.

Forschung: Alexandra S. Grutter, Jennifer G. Rumney und Craig E. Franklin, School of Biological Sciences, University of Queensland, Brisbane; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 17. November 2010, DOI 10.1098/rsbl.2010.0916

WWW:
Coral Reef Ecology Laboratory, Alexandra Grutter
Lippfische
Schlafen Fische?

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