Posted in: Chemie, Geologie 12. November 2010 17:46 Weiter lesen →

Forscher: Wüstenstaub färbt Mallorca

Foto zeigt Felsklippe, bestehend aus rostrotem Gestein auf mausgrauem Fundament,  in türkisfarbenem Wasser Touristen betreten auf Mallorca auch afrikanischen Boden, sind amerikanische und spanische Forscher überzeugt. Ihren Analysen zufolge geht der typische rote Boden der Baleareninsel zu einem großen Teil auf Staub zurück, der vom Wind aus der Sahara und dem Sahel noch Norden getragen wurde.

Foto: Anna Ávila

Ähnliches gelte wahrscheinlich auch für die „Terra rossa“ Sardiniens und die Roterden in anderen Teilen des Mittelmeerraums, erklärt Anna Ávila von der Universidad Autónoma de Barcelona. Immerhin transportiere der Wind jährlich zwischen 600 und 700 Tonnen Staub aus dem nordafrikanischen Wüstengürtel in andere Regionen. Ein Charakteristikum dieses Staubs sei seine rote Färbung.

Böden vom Typ Terra rossa finden sich in Europa in einem Gürtel von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich und die Adriaküste bis nach Griechenland. Sie entwickeln sich auf einer Grundlage aus Kalkstein und werden meist als Produkt eines Auslaugungsprozesses gedeutet. Demnach wird der Kalk allmählich vom Regenwasser aufgelöst und ausgewaschen, sodass sich auf seiner Oberfläche widerstandsfähigere Silikatbestandteile anreichern – darunter auch rostrote Eisenmineralien. Nach Ansicht Ávilas und ihrer Kollegen muss dieses Bild zumindest im Fall Mallorca revidiert werden.

Die Forscher stützen ihre Ansicht vor allem auf eine Analyse der Spurenelemente in Bodenproben aus verschiedenen Teilen der Insel. Die Nicht-Karbonat-Bestandteile in dem oberen lehmigen Bodenhorizont und in der Kalksteingrundlage weisen unterschiedliche Konzentrationsverhältnisse etwa von Zirkonium und Hafnium oder von Lanthan und Ytterbium auf, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Quaternary Science Reviews“. Da diese Bestandteile praktisch keine vertikale Verlagerung im Boden erführen, müsse es bei der Bodenbildung einen – im wahrsten Sinne des Wortes – substanziellen Beitrag von außen gegeben haben.

Mit afrikanischem Staub lasse sich das beobachtete Muster der Spurenelemente recht gut erklären, so Ávila und ihre Kollegen. Zu einem solchen Eintrag passten auch die mutmaßlichen klimatischen Verhältnisse während der Bildung der Terra rossa, gegen Ende der letzten Vereisungsperiode vor 25.000 bis 12.000 Jahren, so die Gruppe. Und vielleicht habe der afrikanische Staub ja auch außerhalb Europas für Farbe gesorgt, etwa im Norden Jamaikas, wo durch geologische Kräfte emporgehobener Korallenkalkstein ebenfalls von Terra rossa bedeckt sei.

Forschung: Daniel R. Muhs und James Budahn, US Geological Survey, Denver; Anna Ávila, Centre de Recerca Ecològica i Aplicacions Forestals, Universitat Autònoma de Barcelona, Bellaterra; und andere

Veröffentlichung Quaternary Science Reviews, Vol. 29(19-20), pp 2518-43, DOI 10.1016/j.quascirev.2010.04.013

WWW:
Geology and Environmental Change Science Center, USGS
Centre de Recerca Ecològica i Aplicacions Forestals, UAB:
Bodenentwicklung
Saharastaub

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