Posted in: Biologie 10. November 2010 01:01 Weiter lesen →

Wale bekommen Sonnenbrand

Foto zeigt abtauchenden Blauwal mit grauer, hell gefleckter Haut und winzig wirkender Finne Wale haben auf ganz ähnliche Weise mit der ultravioletten Sonnenstrahlung zu kämpfen wie Menschen. Diesen Schluss legen Untersuchungen englischer und mexikanischer Forscherinnen im Golf von Kalifornien nahe. Bei dort lebenden Walen fanden sie regelmäßig Hautläsionen, die umso zahlreicher waren, je weniger stark pigmentiert die jeweilige Spezies ist und je mehr Zeit sie an der Wasseroberfläche verbringt.

Ohne Fell, Federn und dicke Hornschicht ist die Haut eines Blauwals der ultravioletten Strahlung beinahe schutzlos preisgegeben. Foto: NOAA

„Solche Veränderungen von Struktur und Funktion der Haut sind vom Menschen und von Labortieren wohlbekannt“, erläutern Karina Acevedo-Whitehouse vom Institute of Zoology in London und ihre Kolleginnen. Bei Wildtieren seien diese UV-Schäden jedoch praktisch unerforscht, schreiben die Forscherinnern in den „Proceedings of the Royal Society“.

Die Biologinnen und Medizinerinnen studierten hochauflösende Fotos von insgesamt gut 150 Blauwalen, Finnwalen und Pottwalen im Golf von Kalifornien. Von den meisten Tieren waren mithilfe von Biopsiepfeilen zudem Hautproben gewonnen worden. Diese wurden mikroskopisch untersucht, um die Zahl der Pigmentzellen (Melanozyten) zu bestimmen und eventuelle Gewebeveränderungen zu erfassen.

Besonders zahlreich waren Hautläsionen und Gewebeveränderungen bei den eher schwach pigmentierten Blauwalen: Zwischen 60 und 80 Prozent der Vertreter dieser größten Walart wiesen Blasen, Ödeme und Zellveränderungen auf, wie sie typisch sind für einen Sonnenbrand. Etwas weniger häufig waren solche Veränderungen bei Pottwalen, die mehr Pigmentzellen besitzen als Blauwale, allerdings auch mehr Zeit an der Meeresoberfläche verbringen. Bei den stark pigmentierten Finnwalen waren Anzeichen einer UV-Schädigung dagegen eher selten.

Im Fall der Blauwale könnte auch der Faktor Gewöhnung eine Rolle spielen, vermuten Acevedo-Whitehouse und Kolleginnen. Die Tiere kommen aus dem Nordpazifik für einige Monate in den Golf von Kalifornien, um in dem subtropischen Gewässer ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Zu Beginn dieses Zeitraums war die Zahl der Gewebeschäden bei ihnen besonders hoch. Im Laufe der Zeit sank sie jedoch, während die Zahl der Melanozyten stieg. „Dies lässt auf eine gewisse Anpassung schließen, wie sie auch beim Menschen auftritt“, folgern die Forscherinnen.

Forschung: Laura M. Martinez-Levasseur und Karina Acevedo-Whitehouse, Institute of Zoology, Zoological Society of London, und School of Biological and Chemical Sciences, Queen Mary, University of London; Diane Gendron, Centro Interdisciplinario de Ciencias Marinas, Instituto Politécnico Nacional, La Paz, Mexiko; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2010.1903

WWW:
Wildlife Epidemiology, Institute of Zoology
Centro Interdisciplinario de Ciencias Marinas, Instituto Politécnico Nacional
Walarten, Whale and Dolphin Conservation Society

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