Posted in: Gesundheit, Medizin 25. Oktober 2010 12:47 Weiter lesen →

Mögliche Langzeitfolgen nach Gehirnerschütterungen

3D-Modell eines menschlichen Kopfes, teils aufgeschnitten, um das Gehirn zu zeigen Gehirnerschütterungen wirken vielleicht länger und stärker nach als bislang angenommen. Entsprechende Resultate liefert eine kleine Studie von Forschern aus Marburg und Münster. Auch ein halbes Jahrzehnt nach dem Ereignis sind bei den Betroffenen teils starke Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit feststellbar.

Bild: Philipps-Universität Marburg / AG Konrad

„Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kann nach relativ geringen Erschütterungen beim Sport, im Haushalt, nach Auffahrunfällen oder Stürzen auftreten“, erklärt Carsten Konrad, jetzt an der Universität Marburg. Da nach der gängigen Lehrmeinung keine Langzeitfolgen aufträten, sei es für Betroffene mit eventuellen Beeinträchtigungen häufig schwierig, Ansprüche gegenüber Versicherungen oder Unfallgegnern durchzusetzen, so der Mediziner.

Tatsächlich könnten solche emotionalen und kognitiven Langzeiteffekte sogar recht häufig sein, fanden Konrad und Kollegen bei ihren an der Universität Münster durchgeführten Untersuchungen. Die Mediziner und Psychologen verglichen 33 Personen, die vor durchschnittlich sechs Jahren ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, mit 33 Nicht-Betroffenen gleichen Alters und Geschlechts. Alle Teilnehmer absolvierten eine Reihe neuropsychologischer und psychiatrischer Tests, eventuelle Veränderungen der Gehirnstruktur konnten per Kernspintomografie ausgeschlossen werden.

Die Testresultate der beiden Teilnehmergruppen unterschieden sich deutlich, berichten die Forscher im Fachblatt „Psychological Medicine“. Bei den Personen, die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, zeigten sich Beeinträchtigungen in verschiedenen Bereichen wie etwa Lernen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Auch erste Anzeichen für eine Depression waren bei den Patienten häufiger. Durch depressive Symptome oder ein verändertes Leistungsverhalten seien die Beeinträchtigungen aber nicht erklärbar, so Konrad. Die Ursachen für die langfristigen Folgen seien somit noch unbekannt.

Forschung: Carsten Konrad, Anne Jule Geburek, Fred Rist und Volker Arolt, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Philipps-Universität Marburg, Institut für Psychologie und Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; und andere

Veröffentlichung Psychological Medicine, DOI 10.1017/S0033291710001728

WWW:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uni Marburg
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uniklinikum Münster
Gehirnerschütterung

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Helm-Diagnose für Gehirnerschütterungen
Kein Hirnschaden durch Kopfbälle


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