Posted in: Psychologie, Soziales 21. Oktober 2010 15:38 Weiter lesen →

Mehr Hirn bei Müttern

Mutter mit Baby Junge Mütter wirken in den ersten Wochen nach der Entbindung nicht selten niedergeschlagen und erschöpft. Tatsächlich herrscht in ihrem Gehirn gerade jetzt rege Aktivität, haben amerikanische Forscherinnen entdeckt. In gleich mehreren Hirnregionen stellten sie zwischen erstem und viertem Monat nach der Geburt einen Zuwachs an grauer Substanz fest.

Foto: NiDerLander /Fotolia

Der Effekt ist umso ausgeprägter, je inniger die Beziehung der Mutter zu ihrem Säugling ist, ermittelten Pilyoung Kim von der Yale University und ihre Kollegen. Diese Resultate ließen vermuten, „dass die ersten Monate der Mutterschaft beim Menschen strukturelle Veränderungen in Hirnregionen mit sich bringen, die mit mütterlichem Antrieb und Verhalten in Verbindung stehen“, so die Forscherinnen.

Kim und Kolleginnen führten ihre Studie mit 19 Müttern im Alter von durchschnittlich 33 Jahren durch. Alle wurden zwischen der zweiten und vierten Woche nach der Entbindung ausführlich befragt. Etwa zeitgleich und noch einmal elf Wochen später erstellten die Forscherinnen Kernspintomogramme, anhand derer sie die Gehirne der Teilnehmerinnen vermaßen. Die Resultate stellen sie im Fachblatt „Behavioral Neuroscience“ vor.

In mehreren Bereichen der Großhirnrinde, aber auch im tiefer gelegenen Zwischenhirn und im Hirnstamm zeigte der Vergleich statistisch verlässliche Veränderungen. In allen diesen Regionen hatte das Volumen der grauen Substanz, bestehend vorwiegend aus den Zellkörpern der Nervenzellen, zwischen der ersten und zweiten Tomografie leicht zugenommen. Je positiver, enthusiastischer sich die Mütter bei der Beschreibung ihrer Kinder ausdrückten, umso stärker war der Zuwachs in einer Gruppe von Regionen, die mit Motivation und Belohnung und mit der Kontrolle von Gefühlen in Verbindung gebracht werden – darunter Hypothalamus und Amygdala.

Die Frage nach Ursache und Wirkung lasse sich derzeit nicht beantworten, so Kim und Kolleginnen. Die beobachteten Gehirnveränderungen könnten den Kontakt mit dem Säugling fördern, aber auch durch den engen Kontakt hervorgerufen werden. Ebenfalls unklar sei die Rolle verschiedener Hormone, deren Spiegel sich nach der Entbindung deutlich verändere. Beispielsweise könnte die steigende Konzentration von Östrogen und Oxytocin das mütterliche Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes formbar machen.

Forschung: Pilyoung Kim, James F. Leckman und James E. Swain, Department of Human Development, Cornell University, Ithaca, Child Study Center, Yale University School of Medicine, New Haven, und Department of Psychiatry, University of Michigan, Ann Arbor; und andere

Veröffentlichung Behavioral Neuroscience, Vol. 124(5), pp 695-700, DOI 10.1037/a0020884

WWW:
Department of Human Development, Cornell University
Yale Child Study Center
Gehirnatlas

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