Posted in: Biologie 17. September 2010 18:46 Weiter lesen →

Blaumeisen haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse

Blaumeise auf einem Baum Blaumeisen schlafen im Winter länger als im Sommer, wobei sie an helleren Standorten früher aufwachen. Weibchen schlafen länger als Männchen, haben in der Nacht längere Wachphasen und bleiben am Morgen länger in ihrem Nistkasten. Dabei zeigten sich auch ausgeprägte individuelle Unterschiede im Schlafverhalten. Das belegt eine Studie, für die Max-Planck-Forscher eine High-Tech-Überwachung einsetzten.

Gibt´s schon Frühstück?
Foto: Peter Wey /Fotolia

Wir Menschen schlafen im Winter länger als im Sommer. Frauen schlafen durchschnittlich länger als Männer. Und sie klagen zu 35 Prozent über Probleme beim Einschlafen, während davon nur 25 Prozent der Männer betroffen sind. Ähnliches konnten nun Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen erstmals bei Vögeln in freier Wildbahn beobachten.

Die Forscher untersuchten zwei Jahre lang das Schlafverhalten einer Blaumeisenpopulation in einem Naturwaldreservat in Süddeutschland. Sie versahen 60 männliche und 36 weibliche Blaumeisen mit ultraleichten RFID-Transpondern. Derartige Tags lassen sich mit Scannern aus einiger Entfernung lesen und ermöglichten so eine automatische Identifizierung der Tiere. Zudem wurden in den Nistkästen Infrarotkameras und -leuchten installiert, um das Schlafverhalten der Vögel bei Nacht zu beobachten. Elektroden über den Nistkästen registrierten währenddessen die Lichtintensität und die Temperatur. So wurden insgesamt zehn verschiedene Schlafparameter bestimmt.

Die Ergebnisse im Detail: Im Winter schliefen die Blaumeisen fast fünf Stunden länger als im Sommer. Dabei schliefen die Weibchen pro Nacht durchschnittlich eine Viertelstunde länger als die Männchen. Interessanterweise verstärkte sich dieser Geschlechtsunterschied zum Anfang der Brutzeit hin. „Das könnte daran liegen, dass die Weibchen zu Beginn der Brutsaison ein höheres Schlafbedürfnis als die Männchen haben, da sie sich physiologisch auf die kräftezehrende Aufgabe des Eierlegens und Brütens vorbereiten müssen“, sagt Corinna Steinmeyer, Erstautorin der Studie.

Nistkasten für Blaumeisen an einem Baum im Wald Die Forschungsnistkästen mit Infrarotkameras.
Foto: Axel Griesch /MPG

Eine andere Ursache könnte in dem individuellen Schlafmuster begründet liegen. Manche Blaumeisen scheinen einen eher unruhigen Schlaf zu haben, da sie in der Nacht bis zu 230-mal aufwachten, und diese Wachphasen bei den Weibchen länger anhielten. Die Vögel putzten sich, streckten ihre Beine und Flügel oder liefen im Nistkasten umher. Die Weibchen verbrachten etwas länger mit derartigen nächtlichen Aktivitäten als ihre Partner.

Auch am Morgen nach dem Aufwachen blieben die Weibchen mehr als zwei Minuten länger in der Nestbox als die Männchen, was zu Beginn der Brutzeit am ausgeprägtesten war. Das frühe Aufstehen der Männchen ist verständlich: Sie müssen durch ihre Präsenz und besonders durch ihren Gesang andere Männchen von ihrem Territorium fernhalten. Dabei spielt auch die Helligkeit und die Temperatur eine entscheidende Rolle.

An kalten und hellen Standorten krochen die Meisen früher aus ihren Federn. Junge Vögel kümmerten sich nicht so sehr um diese Aufgaben, so blieben sie am Morgen allgemein länger im schützenden Nistkasten.

„Durch die umfangreiche Untersuchung des Schlafverhaltens der Blaumeise konnten wir nicht nur die genauen Faktoren bestimmen, die zu verschiedenen Schlafmustern führen, sondern fanden auch starke individuelle Unterschiede, die das Schlafverhalten zu einer kennzeichnenden Charaktereigenschaft für das Individiuum macht“, sagt Bart Kempenaers. Das wirft weitere Fragestellungen auf, beispielsweise ob die spezifischen Schlafmuster vererbbar sind oder mit dem Fortpflanzungserfolg in Beziehung stehen.

Forschung: Corinna Steinmeyer, Holger Schielzeth, Jakob C. Müller, Bart Kempenaers; in „Animal Behaviour“, Online-Veröffentlichung, 15.9.2010, doi:10.1016/j.anbehav.2010.08.005

WWW:
Abstract in Animal Behaviour
Max-Planck-Institut für Ornithologie

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