Posted in: Ernährung, Gesundheit 13. September 2010 16:09 Weiter lesen →

Warnung vor „Leberschutzfaktoren“

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. „Die Hersteller verbuchen mitunter Milliarden-Umsätze, ohne dass sie nachweisen müssen, dass ihre Präparate überhaupt von Nutzen sind“, sagt Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor am Klinikum München. Aktuell warnt er vor so genannten „Leberschutzfaktoren“. Laut Göke ist eine Schutzwirkung für keinen der „Faktoren“ belegt. Der Experte sieht auch keinerlei sinnvolle Anwendungsgebiete für Nahrungsergänzungsmittel: „Es ist zumindest in Deutschland nahezu ausgeschlossen, in eine ernährungsbedingte Mangelsituation zu geraten.“

Symbolfoto: victoria p. /Fotolia

Göke weist auf Gefahren für die Leber hin, die von Nahrungsergänzungsmitteln ausgehen können. Vor allem Präparate, die über das Internet bezogen werden, hält er für bedenklich: „Viele Präparate sind verunreinigt oder enthalten andere Substanzen, als angegeben sind.“ Einige Fälle seien dazu bekannt: In Israel erkrankten mindestens 22 Menschen nach Anwendung von Produkten des Herstellers Herbalife an Müdigkeit, Appetit- und Gewichtsverlust sowie Gelbsucht (Journal of Hepatology 2007 47: 514-420). Dazu Göke: „Den Betroffenen wurde geraten, die Mittel abzusetzen. Nachdem sich die Leber wieder erholt hatte, verwendeten die Patienten die Produkte erneut, mit dem Ergebnis, dass sich die Leberwerte wieder deutlich verschlechterten.“ Die verursachende Chemikalie sei nicht ermittelbar gewesen, da der Hersteller die Zusammensetzung des Produktes nicht offen gelegt habe.

Im Verdacht, die Leber zu schädigen, stünden auch Kurkuminextrakte, die als nebenwirkungsfreie, weil pflanzliche Schmerzmittel beworben würden. In einem Fall werde in den Präparaten jedoch der Arzneistoff Nimesulid nachgewiesen. Dazu Göke: „Dieses Schmerzmittel ist wegen seiner leberschädigenden Wirkung in Europa nicht mehr zugelassen.“

Schwere Leberschädigungen seien auch unter dem Nahrungsergänzungsmittel Hydroxycut aufgetreten, das als Schlankmacher vermarktet werde. Nach mehreren schweren Erkrankungen warnte die US-Arzneibehörde im letzten Jahr dringend vor der Einnahme. Auch hier könne der Auslöser nicht gefunden werden, weil der Hersteller seine Rezeptur verschweige oder verändere, so Göke.

Der Leberexperte rät Ärzten, alle Patienten mit Leberbeschwerden – dazu gehören Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Oberbauchbeschwerden – nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel zu fragen: „Bei Verdacht auf einen Leberschaden sollte die Einnahme sofort gestoppt werden.“

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 13.9.2010

WWW:
Artikel im Journal of Hepatology. 2007 Oct;47(4):514-20. Epub 2007 Jul 26
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