Posted in: Biologie 8. September 2010 14:26 Weiter lesen →

Raben haben Konkurrenten im Blick

Zwei Raben in von einander getrennten Käfigen Raben können die Sichtweise ihrer Artgenossen beurteilen und so deren mögliche Handlungen vorhersagen. Das belegen Versuche mit den Vögeln an der Universität Wien.

„Ich sehe was, was du auch siehst“ – Raben im Experiment. Foto: Thomas Bugnyar

Ausgehend von der Vorliebe von Raben, Futterverstecke zu plündern, führte Thomas Bugnyar von der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wienin seine Versuche mit den Vögeln durch. Der Forscher gab den Raben die Gelegenheit, einen Menschen beim Futter-Verstecken zu beobachten. Teilweise hatten potentielle Konkurrenten, also andere Raben, ebenfalls die Verstecke im Blick.

Die Raben erinnerten sich nicht nur daran, wen sie beim Verstecken beobachtet hatten, sondern plünderten gezielt jene Verstecke, über die auch ihre Konkurrenten Bescheid wissen konnten. Das berichtet Bugnyar im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“. In den Versuchen hatte er die Sicht der beteiligten Individuen durch präparierte Vorhänge manipuliert, die das Sehen behinderten, aber das Gesehen-werden erlaubten.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht des Kognitionsbiologen, dass die Raben dabei nicht nur nach gelernten Regeln vorgehen, sondern tatsächlich einschätzen können, inwieweit die Sichtweise der Konkurrenten sich mit ihrer eigenen deckt. Bugnyar dazu: „Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass es tierische Vorläufer zur menschlichen Fähigkeit, anderen Individuen Wissen zuzuschreiben, gibt. Die Tatsache, dass Raben hierbei ähnlich gut wie Schimpansen sind, deutet darauf hin, dass diese Fähigkeit in der Evolution mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist.“

Forschung: Thomas Bugnyar, Department für Kognitionsbiologie, Universität Wien; in „Proceedings of the Royal Society B“: Online-Verööfentlichung 8.9.2010. DOI: 10.1098/rspb.2010.1514

WWW:
Department für Kognitionsbiologie, Uni Wien
Abstract in den „Proceedings“
Veröffentlichung als PDF bei der Uni Wien

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