Klingende Farben
Freitag, 3. September 2010, 13:28 • Rubrik Chemie, Kultur, Technik.
Mit welchen Farben ein Maler vor Jahrhunderten gearbeitet hat, kann man auch am Klang seiner Bilder erkennen. Entsprechende Experimente haben kanadische Chemiker durchgeführt. Einzelne Pigmente verraten sich demnach durch die Schallwellen, die sie bei der Bestrahlung mit Pulsen infraroten Lichts aussenden.
Foto: trester /Fotolia.com
Für Museen und Restauratoren sei die Kenntnis der jeweils verwendeten Pigmente von großer Bedeutung, erklärt Ian Butler von der McGill University in Montréal. Mit diesem Wissen könne man die Reaktion eines Kunstwerks auf Sonnenlicht und Temperaturveränderungen besser einschätzen und nicht zuletzt Konservierungsmethoden vermeiden, die möglicherweise mehr schadeten als nutzten.
Butler und Kollegen führten ihre Studie mit zwölf anorganischen Pigmenten durch, darunter etwa Azurit, Berliner Blau, Cadmiumgelb und Mars-Orange. Die Chemiker bestrahlten das Material mit infrarotem Licht, dessen Intensität im raschen Wechsel schwankte. Mit jedem absorbierten Lichtpuls erwärmte sich das Material und kühlte wieder ab. Diese Wärmewellen übertrugen sich auf die Luft an der Materialoberfläche, die sich im gleichen Takt schlagartig ausdehnte und wieder zusammenzog. Die Intensität der so erzeugten Schallwellen, ihre Lautstärke, zeigte an, wie gut die einzelnen Infrarot-Wellenlängen von dem Material absorbiert wurden.
Gegenüber anderen Analyseverfahren habe diese photoakustische Spektroskopie den Vorteil, dass die Proben keine umständliche Vorbereitung erforderten, so Butler. Der Chemiker und seine Kollegen wollen nun eine Datenbank mit den akustischen “Fingerabdrücken” möglichst vieler Pigmente anlegen, die Restauratoren, Kunsthistorikern und vielleicht auch Kriminaltechnikern gute Dienste leisten könnte.
Forschung: Eleanor L. von Aderkas, Mirela M. Barsan, Denis F. R. Gilson und Ian S. Butler, Department of Chemistry, McGill University, Montréal
Veröffentlichung Spectrochimica Acta Part A: Molecular and Biomolecular Spectroscopy, DOI 10.1016/j.saa.2010.08.027 (im Erscheinen)
WWW:
Department of Chemistry, McGill University
Pigmente
Photoakustische Spektroskopie
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