Abkühlen schützt bei Herzinfarkt
Donnerstag, 26. August 2010, 18:08 • Rubrik Medizin.
Patienten mit Herzinfarkt profitieren von einer raschen Abkühlung. Das haben schwedische Mediziner im Rahmen einer klinischen Studie mit 20 Teilnehmern erstmals zeigen können. Wurde deren Körpertemperatur bei der Behandlung des Infarkts auf knapp 35 Grad Celsius gesenkt, fielen die Schäden am Herzmuskel um etwa ein Drittel geringer aus.
Bild: NIH-National Heart, Lung and Blood Institute
Die eigentliche Behandlung, nämlich die Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, sei durch die Kühlprozedur nicht verzögert worden, betonen die Forscher um David Erlinge von der Universität Lund. “Wir sind überzeugt, dass diese Behandlung künftig von großem Nutzen für die Patienten sein kann”, so der Kardiologe.
Experimentelle Studien hatten bereits einen günstigen Effekt der Abkühlung bei einem Herzinfarkt vermuten lassen. Bislang war es jedoch nicht gelungen, diesen Effekt auch am Patienten zu reproduzieren. Erlinge und Kollegen vermuteten, der Grund könnte in der langsamen äußerlichen Abkühlung mit Kühlkissen liegen. Um den Vorgang zu beschleunigen, brachten sie bei zehn von 20 Patienten mit akutem Myokardinfarkt kalte Infusionen und einen Kühlkatheter in der Leistenvene zum Einsatz.
Auf diese Wiese konnten die Mediziner die Kerntemperatur binnen Minuten auf 34,7 Grad Celsius senken, während sie die Eröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit einem Ballonkatheter vorbereiteten. Vier Tage später bestimmten sie per Kernspintomografie das Ausmaß der Gewebeschädigung. Bei den zehn abgekühlten Patienten waren demnach im Schnitt 30 Prozent des von dem betroffenen Gefäß versorgten Herzmuskels geschädigt. Bei den zehn Kontrollpatienten lag der Anteil dagegen bei 48 Prozent. Für die Patienten bedeute die Kühlprozedur keine größere Zusatzbelastung, so Erlinge.
Forschung: Matthias Götberg, Göran K. Olivecrona und David Erlinge, Avdelningen för kardiologi, Lunds universitet; und andere
Veröffentlichung Circulation: Cardiovascular Interventions, DOI 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.110.957902
WWW:
Kardiologi, Lunds universitet
Herzinfarkt
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