Vaterschaft am laufenden Band
Mittwoch, 25. August 2010, 17:04 • Rubrik Biologie, Genetik.
Walhaie haben eine bemerkenswerte Methode entwickelt, um langfristig Nutzen aus einer Begegnung zwischen Männchen und Weibchen zu ziehen. Diese Vermutung legt eine genetische Untersuchung an einem weiblichen Tier und dessen ungeborenem Nachwuchs nahe. Obwohl sich die Nachkommen in höchst unterschiedlichen Entwicklungsstadien befanden, schienen sie alle von einem einzigen Vater abzustammen.
Foto: Jennifer Schmidt, Copyright University of Illinois Board of Trustees
Zwar seien Schlussfolgerungen auf Basis eines einzigen Exemplars stets mit einiger Unsicherheit behaftet, betont Jennifer Schmidt von der University of Illinois in Chicago. “Unsere Daten lassen jedoch vermuten, dass weibliche Walhaie den Samen aus einer einzigen Paarung speichern und ihre nach und nach produzierten Eier damit befruchten.”
Walhaie stellen die größten Fische in den Weltmeeren und können bis zu 14 Meter lang werden – einige Berichte lassen sogar Längen von bis zu 20 Metern vermuten. Die grau-braunen, mit hellen Flecken überzogenen Tiere ernähren sich von Kleinstorganismen, die sie aus dem Wasser filtrieren. Über ihre Biologie ist nur wenig bekannt.
So weiß man nur durch ein einziges Weibchen, das im Jahr 1995 vor Taiwan harpuniert worden war, dass die Riesen ihren Nachwuchs lebend zur Welt bringen. Der Beleg dafür sind 304 Nachkommen in Form von gerade erst eingekapselten Eiern bis hin zu voll entwickelten Jungtieren, die sich in der Gebärmutter des 11 Meter langen Weibchens fanden.
Schmidt und Kollegen führten nun genetische Tests an 29 dieser Nachkommen durch. Zu ihrer Verblüffung fanden sie, dass keiner der neun sequenzierten DNA-Abschnitte in insgesamt mehr als vier Varianten vorkam. Davon ausgehend, dass Mutter und Vater von ihren Eltern je zwei unterschiedliche Varianten geerbt hatten, dürfte der Nachwuchs also auf ein einziges Männchen zurückgehen. Selbst wenn weitere Männchen beteiligt gewesen sein sollten, können diese höchstens ein Zehntel der Eier befruchtet haben, schätzen die Forscher im Fachblatt “Endangered Species Research”.
Dieses Resultat laufe dem derzeitigen, recht kargen Wissen über die Fortpflanzung von Haien zuwider, erklärt Schmidt. Anders als bei anderen Haiarten, scheine es bei Walhaien keine bevorzugten Gebiete zu geben, in denen viele Männchen und Weibchen zu Paarungen mit mehreren verschiedenen Partnern zusammenkämen. “Paarungen scheinen bei ihnen eher vereinzelte Ereignisse zu sein”, so die Forscherin.
Forschung: Jennifer V. Schmidt, Department of Biological Sciences, University of Illinois at Chicago, und Shark Research Institute, Princeton; Chien-Chi Chen und Shoou-Jeng Joung, Department of Environmental Biology and Fisheries Science, National Taiwan Ocean University, Keelung; und andere
Veröffentlichung Endangered Species Research, Vol. 12, pp 117-24, DOI 10.3354/esr00300
WWW:
Schmidt Lab, University of Illinois at Chicago
Environmental Biology & Fisheries Science, National Taiwan Ocean University
Whale Shark
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Flecken könnten Walhaien die Haut retten
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