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Heilsame Flicken für die Hornhaut

Mittwoch, 25. August 2010, 20:00 • Rubrik Medizin.

Foto zeigt dunkelhaarige Frau, die ein transparentes Scheibchen begutachtetWenn die Hornhaut der Augen trübe oder beschädigt wird, kann ein biosynthetischer “Flicken” helfen. Dieses Fazit ziehen schwedische und kanadische Mediziner nach einer Pilotstudie mit zehn Männern und Frauen. Vom Körper nach und nach integriert, kann der aus Bindegewebsprotein hergestellte Flicken demnach Funktionen des ursprünglichen Gewebes übernehmen und den Patienten wieder zu guter Sehkraft verhelfen.

Anders als bei der herkömmlichen Behandlung, der Verpflanzung von Hornhautgewebe verstorbener Spender, bestehe bei dem neuen Verfahren keine Gefahr einer Abstoßungsreaktion, erläutern die Forscher um Per Fagerholm und May Griffith von den Universitäten Linköping und Ottawa. Zudem löse das halbkünstliche Implantat das Problem des chronischen Spendermangels, schreibt die Gruppe im Fachblatt “Science Translational Medicine”.

Die Hornhaut fungiert als relativ stabiles Fenster im Augapfel und trägt zugleich zur optischen Brechkraft des Auges bei. Laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation sind Beschädigungen oder Erkrankungen der Hornhaut der Grund für mehrere Millionen Fälle von Blindheit oder Fehlsichtigkeit. Viele dieser Fälle blieben jedoch unbehandelt, weil es an Spendergewebe fehle, so Fagerholm, Griffith und Kollegen.

Der von den Mediziner und der amerikanischen Firma FibroGen entwickelte Flicken besteht hauptsächlich aus einem menschlichem Bindegewebsprotein, dem Typ-3-Kollagen. Hergestellt von genetisch veränderten Hefezellen, werden die Proteinstränge nach der Aufreinigung chemisch vernetzt. Dann wird die klare Masse in eine Form gegossen, die an eine kleine Kontaktlinse erinnert, und nach Entfernung der eingetrübten, deformierten oder vernarbten Hornhaut auf den Augapfel genäht.

Die Mediziner testeten das Verfahren an zehn Patienten im Alter von 18 bis 75 Jahren. In keinem Fall wurden die Flicken im Laufe des zweijährigen Beobachtungszeitraums abgestoßen. Im Gegenteil überzogen sich die Implantate binnen Wochen mit einer Schicht Epithelzellen – in einigen Fällen schien dieser Prozess allerdings durch die Nähte behindert zu werden. Unter der Oberfläche wanderten ebenfalls Zellen aus der umgebenden Hornhaut in das Material ein, schließlich wurde dieses auch von Nervenfasern durchzogen, nicht jedoch von störenden Blutgefäßen. Als Resultat wurde das Implantat im Laufe der Zeit berührungsempfindlich und begann mit der Produktion von Tränenflüssigkeit.

Nach 24 Monaten sahen sechs der zehn Patienten mit Brille deutlich besser als vor dem Eingriff, bei zweien verschlechterte sich die Sehschärfe allerdings. Fagerholm, Griffith und Kollegen führen diesen Umstand hauptsächlich auf Unebenheiten in der Implantatoberfläche zurück und diese wiederum auf die teils lückenhafte Epithelisierung. Mit harten Kontaktlinsen, die die Unebenheiten ausglichen, erzielten alle Patienten jedoch ähnlich gute Werte wie die Empfänger herkömmlicher Hornhauttransplantate.

Forschung: Per Fagerholm und May Griffith, Institutionen för klinisk och experimentell medicin und Avdelning för oftalmologi, Linköpings universitet, und University of Ottawa Eye Institute, Ottawa; James W. Polarek, FibroGen Inc., San Francisco; und andere

Veröffentlichung Science Translational Medicine, 25. August 2010, Vol. 2(46), 46ra61, DOI 10.1126/scitranslmed.3001022

WWW:
Klinisk och experimentell medicin, Linköpings universitet
University of Ottawa Eye Institute
Anatomie und Funktion der Hornhaut
Keratoplastik

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