Posted in: Gesundheit, Medizin, Psychologie 16. August 2010 14:19 0 Kommentare Weiter lesen →

Mehr Stress, höheres Demenzrisiko

Kernspin-Schnitt durch ein gesundes Hirn zeigt Lappen, Furchen, Windungen und Trakte aus weißer Substanz Häufiger Stress kann handfeste körperliche Folgen haben. Das betrifft auch das Gehirn, lässt eine Studie schwedischer und amerikanischer Mediziner vermuten. Bei Frauen, die über Jahrzehnte immer wieder Stress empfunden hatten, stellten sie ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko fest.

Bild: NIH-National Institute on Drug Abuse

Diese Beobachtung bestätige erstmals Resultate aus Tierversuchen, erklärt Lena Johansson von der Universität Göteborg. “Stress kann nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Bluthochdruck erhöhen”, so die Neurowissenschaftlerin. Die neuen Resultate legten den Schluss nahe, dass er auch das Risiko für die Alzheimersche Krankheit bzw. eine dadurch bedingte Demenz beeinflusse.

Johansson und Kollegen werteten Daten von 1.415 Frauen aus, die Ende der 60er-Jahre für eine Langzeitstudie in Göteborg rekrutiert worden waren. Damals zwischen 38 und 60 Jahre alt, wurden alle in den folgenden Jahrzehnten mehrmals zu ihrem Werdegang befragt – unter anderem dazu, ob und wie häufig sie Anspannung, Nervosität, Angst, Schlaflosigkeit und andere Zeichen von Stress aufwiesen.

Bis zum Jahr 2003 wurde bei 161 Teilnehmerinnen eine Demenz diagnostiziert, meist als Folge der Alzheimerschen Erkrankung bzw. einer gestörten Blutversorgung des Gehirns. Je häufiger die Frauen über Stress berichtet hatten, desto eher waren sie von einer Demenz betroffen, schreiben die Mediziner im Fachblatt “Brain”. Hatten sie bei nur einer Befragung über regelmäßigen Stress berichtet, war ihr Demenzrisiko um etwa 10 Prozent erhöht. Entsprechende Antworten bei zwei bzw. drei Befragungen gingen mit einem 73 bzw. 151 Prozent höheren Risiko einher.

Johansson und ihre Kollegen erhoffen sich aus den Resultaten ein besseres Verständnis von Demenzerkrankungen und ihren Risikofaktoren. Gleichzeitig warnt die Medizinerin vor übereilten Schlussfolgerungen: “Bei den meisten Frauen, die über Stress berichtet hatten, trat später keine Demenz auf.” Daher sei es derzeit auch nicht angebracht, mit Verweis auf ein erhöhtes Demenzrisiko generell vor Stress zu warnen.

Forschung: Lena Johansson, Xinxin Guo und Ingmar Skoog, Sektionen för psykiatri och neurokemi, Sahlgrenska akademin, Göteborgs universitet; und andere

Veröffentlichung Brain, Vol. 133(8), pp 2217-24, DOI 10.1093/brain/awq116

WWW:
Psykiatri och neurokemi, Göteborgs universitet
Kompetenznetz Demenzen
- Wissenswertes
Belastung und Bewältigung

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