Jäher Schwenk im Kambrium
Freitag, 13. August 2010, 13:47 • Rubrik Geologie.
Vor gut einer halben Milliarde Jahre könnte neben der irdischen Tierwelt auch die Erde selbst eine Umwälzung erfahren haben. Amerikanische Geologen haben ermittelt, dass sich der damalige Superkontinent Gondwana sehr rasch gegen das Erdmagnetfeld drehte. Eine mögliche Erklärung sehen sie in der Verlagerung der Drehpole der Erde.
Grafik: Ross Mitchell/Yale University
Der geologische Umschwung könnte – ungeachtet seiner Ursache – zu den evolutionären Veränderungen im Zeitalter des Kambriums beigetragen haben, erklärt Ross Mitchell von der Yale University. “Zeitgleich mit der Verlagerung Gondwanas gab es im frühen Kambrium dramatische Umweltveränderungen”, so der Forscher. Möglicherweise liege hier eine Erklärung für das plötzliche Auftauchen moderner Tierstämme.
Mitchell und seine Kollegen studierten Sediment, das sich im Kambrium im Amadeusbecken im Herzen Australiens abgelagert hat. Besonders interessierten sich die Forscher für die Magnetisierung des versteinerten Materials. Wie sie im Fachblatt “Geology” berichten, drehte sich die magnetische Ausrichtung binnen einiger Millionen Jahre um 60 Grad. Und da Australien zu jener Zeit ein Teil von Gondwana war, sollte sich der gesamte Großkontinent gedreht haben – teils mit Geschwindigkeiten von 16 Zentimetern pro Jahr und mehr.
Dieser Wert liege hart an der “Höchstgeschwindigkeit” der Kontinentalverschiebung, wie man sie aus umfangreichen Messungen an jüngerem Gestein abgeleitet habe, so Mitchell weiter. Heute bewegten sich die Erdplatten bestenfalls um vier Zentimeter pro Jahr. Daher sei es vorstellbar, dass die rasche Drehung der Magnetisierung nicht etwa einer Verlagerung Gondwanas im Rahmen der Plattentektonik geschuldet sei. Vielleicht habe sich auch der gesamte äußere, feste Teil der Erde um den flüssigen Erdkern und damit um den Generator des irdischen Magnetfeldes gedreht.
Ein solches Umkippen, etwa als Folge einer kontinentalen Unwucht, würde eine Verlagerung der Drehpole und der Zirkulation in Atmosphäre und Meeren mit sich bringen. Die Frage nach “echten Polwanderungen” in der Erdgeschichte sei in der Fachwelt umstritten, räumt Mitchell ein. Im Falle des australischen Gesteins und seiner Magnetisierung liefere sie jedoch die einfachste Lösung. “Wäre die Verlagerung eine Folge der Plattentektonik, müssten wir dafür gänzlich neue Erklärungen finden.”
Forschung: Ross N. Mitchell, David A. D. Evans und Taylor M. Kilian, Department of Geology and Geophysics, Yale University, New Haven, Connecticut
Veröffentlichung Geology, Vol. 38(8), pp 755-8, DOI 10.1130/G30910.1
WWW:
Ross Mitchell, Yale University
Die Erde im Kambrium
Plate Tectonics
Das Erdmagnetfeld
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