Posted in: Gesundheit, Kultur, Soziales 10. August 2010 13:54 Weiter lesen →

Männerüberschuss schlägt auf die Konstitution

Wenn viele junge Männer um wenige Frauen buhlen müssen, hat das langfristige Konsequenzen. Zu diesem Schluss kommen chinesische und amerikanische Forscher anhand der Daten von rund 4.200 Schulabgängern in den 50er-Jahren. Mittlerweile im Seniorenalter, hatten die Männer eine etwas geringere Lebenserwartung, wenn Mädchen in ihrer Abschlussklasse in der Minderheit gewesen waren.

Der Unterschied betrug rund drei Monate, ermittelten die Forscher um Lei Jin von der Chinesischen Universität Hongkong und Nicholas Christakis von der Harvard University in Boston. „Auf den ersten Blick mag ein Vierteljahr nicht die Welt bedeuten“, so Christakis, „der Effekt ist jedoch mit dem von regelmäßiger Aspirin-Einnahme oder moderater körperlicher Ertüchtigung vergleichbar.“

Die Soziologen und Mediziner nutzten Daten einer Langzeitstudie im US-Bundesstaat Wisconsin, in deren Rahmen der Werdegang von Männern und Frauen verfolgt wird, die im Jahr 1957 die weiterführende Schule abgeschlossen hatten. Für jeden männlichen Teilnehmer ermittelten die Forscher das Geschlechterverhältnis in der Abschlussklasse. Die Werte verknüpften sie mit der Sterbewahrscheinlichkeit im 65. Lebensjahr.

Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren ergab sich eine 1,6 Prozent höhere Mortalität bei einem klaren Männerüberschuss. Ähnliche Resultate lieferte die Analyse von mehreren Millionen Datensätzen der US-amerikanischen Sozialversicherung, berichten die Forscher im Fachblatt „Demography“. Ihrer Ansicht nach zeigt sich hier der Einfluss eines unausgeglichenen Geschlechterverhältnisses während der Pubertät. Für Länder wie Indien oder China, in denen das Verhältnis durch Faktoren wie selektive Abtreibung oder Wanderarbeit regional verzerrt sei, könnten sich daraus zusätzliche Folgen für die öffentliche Gesundheit ergeben.

Möglicherweise resultiere die kürzere Lebenserwartung aus erhöhtem Stress bei der Suche nach einer Partnerin, so Christakis weiter. Der Wissenschaftler hatte in der Vergangenheit mehrfach von sich reden gemacht, indem er in großen Datensätzen nach Belegen für soziologische bzw. psychologische Zusammenhänge fahndete – etwa für die „ansteckende“ Wirkung von Übergewicht.

Forschung: Lei Jin, Department of Sociology, Chinese University of Hong Kong; Nicholas A. Christakis, Departments of Sociology, Health Care Policy, und Medicine, Harvard University, Boston; und andere

Veröffentlichung Demography, Vol. 47(3), pp 579-86, DOI 10.1353/dem.0.0121

WWW:
Nicholas Christakis, Harvard University
Lei Jin, Chinese University of Hong Kong
Wisconsin Longitudinal Study
Sex-Ratio Imbalance in Asia
Geschlechterverteilung

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Warmes Wetter begünstigt Jungen
Übergewicht ist „ansteckend“


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