Sparsame Orang-Utans
Montag, 2. August 2010, 19:00 • Rubrik Anthropologie, Biologie, Ernährung.
Orang-Utans verbrennen weniger Kalorien als die meisten anderen Säugetiere. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach Studien an vier Tieren. In puncto Energieumsatz werden die in Südostasien heimischen Menschenaffen demnach nur noch von Faultieren unterboten.
Foto: K.-U. Häßler /Fotolia
Die neuen Resultate “stehen im Einklang mit den niedrigen Wachstums- und Fortpflanzungsraten der Orang-Utans”, so die Anthropologen und Zoologen um Herman Pontzer von der Washington University in Saint Louis. Und offenbar seien die Affen nicht allein im Hinblick auf Wachstum und Fortpflanzung geizig, sondern lebten insgesamt sehr sparsam, folgern die Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.
Pontzer und Kollegen führten ihre Untersuchung mit drei erwachsenen und einem jugendlichen Orang-Utan durch, die in einem Gehege in den Vereinigten Staaten gehalten wurden. Zunächst ließen sie die Affen Wasser trinken, dessen Moleküle schwere und seltene Varianten des üblichen Wasserstoffs und Sauerstoffs enthielten. In den folgenden zwei Wochen bestimmten die Forscher regelmäßig die verbliebene Konzentration der beiden Isotope im Urin der Tiere und konnten so deren Energieumsatz berechnen.
Die Technik mit doppelt isotopenmarkiertem Wasser nutzt den Umstand, dass der Wasserstoff lediglich über Schweiß, Urin, Kot und Atemfeuchtigkeit abgegeben wird, während ein Teil des Sauerstoffs zusätzlich mit dem Kohlendioxid als Endprodukt des Energiestoffwechsels ausgeatmet wird. Im Laufe der Zeit wächst die Diskrepanz zwischen den Konzentrationen markierten Wasserstoffs und Sauerstoffs daher umso schneller, je rascher Stoffwechselenergie in den Mitochondrien, den Zellkraftwerken, umgesetzt wird.
Das Männchen “Azy” mit seinen 116 Kilogramm Körpermasse setzte demnach etwa 8.600 Kilojoule (gut 2.000 Kilokalorien) pro Tag um. Die beiden Weibchen “Knoby” und “Katy” mit etwa 54 Kilogramm Körpermasse brachten es auf 6.700 Kilojoule (1.600 Kilokalorien) pro Tag. Für Säugetiere dieser Massen würde man vier Mal höhere Werte erwarten, so die Forscher. Der vierjährige “Rocky” erzielte etwa die Hälfte des Erwartungswertes.
Nach Ansicht Pontzers und seiner Kollegen dürfte der Energiestoffwechsel von Orang-Utans in der freien Wildbahn ähnlich langsam arbeiten. Möglicherweise handle es sich um eine evolutionäre Anpassung an ein unsicheres Nahrungsangebot, so die Forscher: “Die Regenwälder Borneos und Sumatras, die Heimat der Orang-Utans, sind eine sehr wechselhafte Umgebung mit häufigen Einbrüchen im Angebot reifer Früchte und damit der Hauptnahrung der Tiere.”
Forschung: Herman Pontzer, Department of Anthropology, Washington University, St. Louis, Missouri; Serge A. Wiche, Anthropologisches Institut und Museum, Universität Zürich, und PanEco Foundation, Medan; und andere
Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1001031107
WWW:
Herman Pontzer, Washington University
Great Ape Trust, Orangutans
Orangutan
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