Posted in: Gesundheit, Medizin 19. Juli 2010 16:48 Weiter lesen →

Dämpfender Gras-Zucker

Foto zeigt Blick in Kuhstall mit Futterballen, Einschub eine REM-Aufnahme eines Staubpartikels Auf dem Land aufgewachsene Kinder leiden seltener an allergischen Erkrankungen. Einen möglichen Grund dafür haben Bochumer Mediziner entdeckt. Ein von Gräsern produziertes und in der Stallluft vorhandenes Zuckermolekül wirkt demnach dämpfend auf das Immunsystem. Auf diese Weise könnte es verhindern, dass der Körper harmlose Stoffe in der Umwelt als Bedrohung einstuft.

Mit der Stallluft atmen Tier und Mensch auch reichlich Staubpartikel ein – das abgebildete ist etwa 50 Mikrometer groß. Bild: Ruhr-Universität Bochum

Dass ausgerechnet ein Bestandteil von Gräsern vor Heuschnupfen schütze, sei eigentlich keine Überraschung, erklärt Marcus Peters von der Ruhr-Universität Bochum. „Das ist eine Konzentrationsfrage“, so der Mediziner. „In kleineren Konzentrationen können die Pollen des Wiesenfuchsschwanzes Allergien auslösen, in großen Dosen und sehr früh im Leben aber auch verhindern.“

Schon vor einigen Jahren hatten die Bochumer Mediziner die dämpfenden Effekte von Kuhstallstaub nachweisen können. Gemeinsam mit Kollegen aus München und Borstel untersuchten sie dessen Zusammensetzung nun genauer. Ein Hauptbestandteil sind demnach Arabinogalactane – aus den Einfachzuckern Arabinose und Galactose aufgebaute Moleküle. Im Falle des Stallstaubs stammen sie vorwiegend von Futtergräsern wie dem Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis).

Die Forscher testeten die Wirkung der Zuckermoleküle, indem sie Mäusen eine wässrige Lösung davon in die Nase sprühten bzw. Zellkulturen damit behandelten. Sie fanden, dass Gras-Arabinogalactane eine Gruppe von Abwehrzellen, die Dendritischen Zellen, zur Produktion von dämpfend wirkenden Botenstoffen veranlassen. Dementsprechend ließ sich bei den behandelten Mäusen weniger leicht eine überschießende Immunreaktion auslösen. Dieser Schutzeffekt trat nicht ein, wenn die Arabinogalactane von Lärchen oder aus Gummi arabicum stammten.

Peters und Kollegen wollen nun untersuchen, wie genau die Arabinogalactane wirken und ob sie sich zur Vorbeugung oder zur Behandlung von Allergien und allergischem Asthma einsetzen lassen. Die kommerzielle Verwertung der Resultate soll eine von der Universität Bochum gegründete Firma übernehmen.

Forschung: Marcus Peters, Marion Kauth und Albrecht Bufe, Experimentelle Pneumonologie, Ruhr-Universität Bochum, und Protectimmun GmbH, Bochum; Otto Holst, Abteilung Molekulare Infektiologie, Forschungszentrum Borstel; und andere

Veröffentlichung Journal of Allergy and Clinical Immunology, DOI 10.1016/j.jaci.2010.05.011

WWW:
Experimentelle Pneumonologie, Uni Bochum
Hygienehypothese
Arabinogalactan

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