Posted in: Biologie, Psychologie 16. Juli 2010 14:10 Weiter lesen →

Großes Hirn, längeres Leben

Foto zeigt Giraffe im Busch Tiere mit großen Gehirnen leben länger als solche mit kleinen. Das haben spanische und niederländische Forscher anhand der Daten von fast 500 Säugerarten ermittelt. Ihrer Ansicht nach zeigt der Zusammenhang, dass ein leistungsfähigeres Hirn eine besonders gute Reaktion auf wechselnde Umweltbedingungen ermöglicht.

Foto: Copyright Daniel Sol

Möglicherweise habe dieser Vorzug die Entwicklung der vergleichsweise überdimensionierten Gehirne von Menschenaffen, Walen und Elefanten angetrieben, vermuten die Forscher um César González-Lagos von der Autonomen Universität Barcelona. Ihre Resultate präsentieren sie im „Journal of Evolutionary Biology“.

Ein großes Gehirn benötigt Zeit zu reifen und ständig reichlich Treibstoff – beim Menschen geht etwa ein Viertel des gesamten Energieumsatzes auf das Konto des Gehirns. Die Frage, warum sich manche Tiere ein derart kostspieliges Organ leisten, treibt Biologen seit langem um.

González-Lagos und Kollegen gingen der Hypothese nach, dass ein großes Hirn mehr Flexibilität und Lernfähigkeit bedeutet und sich so letztlich in Form eines höheren Fortpflanzungserfolgs und längeren Lebens bezahlt macht. Die Forscher trugen Daten zu Körper- und Gehirngröße und zur Lebenserwartung von 493 Säugerarten zusammen – von Nagern und Fledermäusen über Wale und Huftiere bis hin zu Raubtieren. Bei der statistischen Analyse berücksichtigten sie zudem Verwandtschaftsbeziehungen, Stoffwechselraten, Nahrung und Lebensraum.

Neben der Körpergröße, allerdings unabhängig davon, ist demnach allein die Gehirngröße mit der Lebensspanne verknüpft, fanden die Forscher. Als Beispiel führen sie Hyäne und Giraffe an: Das Raubtier ist zwar sehr viel kleiner als der Wiederkäuer, im Verhältnis zur Körpergröße besitzt es jedoch das größere Gehirn und hat in freier Wildbahn eine etwas höhere Lebenserwartung.

Die Frage der Gehirngröße sei mit den neuen Resultaten nicht abschließend beantwortet, betonen die Forscher. So sei es vorstellbar, dass erst ein längeres Leben genügend Zeit für Wachstum und Entwicklung einer großen Hirns biete. Eine längere Reifungsphase bedeute zudem mehr elterliche Fürsorge und somit ein stärker ausgeprägtes Sozialverhalten. Die damit einhergehenden Anforderungen könnten ebenfalls die Entwicklung eines leistungsfähigen Hirns vorantreiben.

Forschung: César González-Lagos und Daniel Sol, Centre de Recerca Ecològica i Aplicacions, Universitat Autónoma de Barcelona, Bellaterra, und CSIC-Centre d’Estudis Avançats de Blanes; Simon M. Reader, Faculteit Biologie und Helmholtz Instituut, Universiteit Utrecht

Veröffentlichung Journal of Evolutionary Biology, Vol. 23(5), pp 1064-74, DOI 10.1111/j.1420-9101.2010.01976.x

WWW:
CREAF, Universitat Autónoma de Barcelona
Behavioural Biology Group, Universität Utrecht
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