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Krisenfeste Grundeln

Donnerstag, 15. Juli 2010, 20:00 • Rubrik Biologie, Klima, Umwelt.

Foto zeigt kleinen rotbräunlichen Fisch mit relativ großen Brustflossen, keilförmigem Leib Jede Krise hat ihre Gewinner. In den stark befischten Gewässern vor dem südwestlichen Afrika scheint das eine kleine Grundel zu sein, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Eine Reihe erstaunlicher Anpassungen ermöglicht es dem Fisch, Schutz vor Fressfeinden und gleichzeitig reichlich Nahrung zu finden – unter anderem in Form der verstärkt auftretenden Quallen.

Foto: Victoria Braithwaite/Penn State

Als Resultat ist die kaum ellenlange Grundel Sufflogobius bibarbatus im Meer vor Namibia zu einer der wichtigsten Arten geworden, schreiben die Forscherinnen um Anne Utne-Palm von der Universität Bergen im Magazin “Science”. Das gelte umso mehr, als der Fisch Biomasse von Nesseltieren direkt, ohne den Umweg über die Zersetzung, wieder in das Nahrungsnetz einbringe.

Einst ein einträgliches Geschäft, brach die Sardinenfischerei im nördlichen Benguelastrom bereits gegen Ende der 60er-Jahre zusammen. Mit dem Verschwinden ihres wichtigsten Beutefisches stellten sich Pinguine und andere Meeresvögel, Robben und Raubfische auf die Grundel um. Gleichzeitig wurden Quallen in dem Meeresgebiet häufiger.

Utne-Palm und Kolleginnen gingen der Frage nach, wie sich die Grundel unter diesen Umständen behaupten kann. Bei Beobachtungen mit einem hochauflösenden Ultraschall-Sonar konnten die Forscherinnen verfolgen, dass der Fisch nachts in höhere Wasserschichten aufsteigt, in denen sich auch Quallen finden. Im Gegensatz zu Stachelmakrelen, einem ihrer wichtigsten Fressfeinde, geht die Grundel den Nesseltieren nicht aus dem Weg, zeigten Verhaltensexperimente.

Tagsüber bleibt die Grundel am Meeresgrund und ist dort ebenfalls relativ sicher. Der Meeresboden in dem Gebiet ist mit einem Faulschlamm aus abgestorbenen Kieselalgen bedeckt, sodass das bodennahe Wasser kaum Sauerstoff, dafür aber giftigen Schwefelwasserstoff enthält. Vermutlich kann die Grundel ihren Stoffwechsel so stark drosseln, dass ihr diese Bedingungen nichts anhaben – wiederum im Gegensatz zu ihren Fressfeinden. Und offenbar frisst die Überlebenskünstlerin sogar die in dem Schlamm lebenden Borstenwürmer, verdaut sie aber erst nach dem nächtlichen Aufstieg in sauerstoffreiches Wasser.

Forschung: Anne C. Utne-Palm und Anne Gro V. Salvanes, Institutt for biologi, Universitetet i Bergen; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 329, 16. Juli 2010, pp 333-6, DOI 10.1126/science.1190708

WWW:
EvoFish, Uni Bergen
Sufflogobius bibarbatus
Benguela Current

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