Posted in: Paläontologie 14. Juli 2010 17:05 Weiter lesen →

Wie Beuteltiere groß wurden

Kollage zeigt vier längliche Schädel unterschiedlicher Größe und ProportionenMenschliche Säuglinge mit ihrem gut entwickelten Hirn haben vergleichsweise riesige Köpfe, während der übrige Körper erst im Laufe der Zeit aufholt. Ganz anders bei einem vor 15 Millionen Jahre lebenden Beuteltier, haben australische Forscherinnen herausgefunden. Zu Beginn besaßen die Tiere eher kleine Schädel, die auf das Saugen im mütterlichen Beutel ausgelegt waren.

Bild: Karen Black/University of New South Wales

Waren anfangs vornehmlich die vorderen Schädelknochen gut entwickelt, legten die hinteren Schädelpartien erst später stark an Größe zu, ermittelten Karen Black von der University of New South Wales in Sydney und ihre Kolleginnen. Der Grund für diesen Wachstumsschub dürfte allerdings nicht das Gehirn gewesen sein, sondern eine Nahrungsumstellung, glauben die Paläontologinnen: Mit dem Übergang von Muttermilch zu zäher Pflanzenkost wuchs die Verankerung der Kaumuskeln.

Black und Kolleginnen gelang es, die Schädelentwicklung des Beutelsäugers Nimbadon lavarackorum über dessen gesamten Lebenszyklus zu rekonstruieren. Die wombatähnlichen Tiere lebten im Miozän in Australien und brachten es auf die Größe eines Schafs. Allerdings weideten sie kein Gras ab, sondern ernährten sich überwiegend von Blättern und Zweigen.

Die Forscherinnen nutzten für ihre Arbeit Fossilien aus der berühmten Riversleigh-Fundstätte im Norden des australischen Bundesstaates Queensland. Dort scheinen über Jahrmillionen immer wieder Tiere durch eine Öffnung in der Decke einer Kalksteinhöhle gestürzt zu sein. Dach und Wände der Höhle sind seitdem erodiert, sodass an der Stelle heute Hunderte gut erhaltener Skelette bzw. Einzelknochen direkt zu Füßen der Paläontologen liegen.

„Dies ist eine fantastische Fundstätte von unglaublichem Seltenheitswert“, erklärt Black. „Der außergewöhnliche Erhaltungszustand der Fossilien hat es uns ermöglicht, Wachstum und Entwicklung von Nimbadon vom Baby zum ausgewachsenen Tier zu verfolgen.“ Bislang seien 26 Schädel allein dieses einen Beutelsäugers aus der Fundstätte geborgen worden, so die Forscherin. „Wir haben dort im wahrsten Sinne des Wortes erst an der Oberfläche gekratzt. In tieferen Schichten liegen sicherlich Abertausende weiterer Knochen.“

Forschung: Karen H. Black, Michael Archer, Suzanne J. Hand und Henk Godthelp, School of Biological, Earth and Environmental Sciences, University of New South Wales, Sydney

Veröffentlichung Journal of Vertebrate Paleontology, Vol. 30(4), pp 993-1011

WWW:
Paleosciences, University of New South Wales
Australian Fossil Mammal Site – Riversleigh
Diprotodontia


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