Herkunftsstempel im Genom
Mittwoch, 7. Juli 2010, 17:52 • Rubrik Genetik.
Noch vor einigen Jahrzehnten verbrachten Menschen meist ihr gesamtes Leben an einem Ort und fanden dort ihren Partner. Das Resultat ist eine sehr feine genetische Struktur, zeigt eine Untersuchung europäischer Forscher. Anhand zahlreicher kleiner Unterschiede im Erbgut konnten sie Insel- bzw. Gebirgsbewohner mit teils 100-prozentiger Trefferquote ihrem Herkunftsort zuordnen.
Grafik: Jane Ades, NHGRI
Die Auflösung dieses Verfahrens liegt bei 8 bis 30 Kilometer, schätzen die Forscher um Colm O’Dushlaine vom Trinity College Dublin und James Wilson von der University of Edinburgh. Die hohe Mobilität in der heutigen Zeit verwische das Muster jedoch allmählich, schreibt die Gruppe im “European Journal of Human Genetics”.
Seit langem ist bekannt, dass das Erbgut verschiedener Bevölkerungen zu einem gewissen Grad auch durch die Geografie geprägt ist. O’Dushlaine, Wilson und Kollegen wollten nun herausfinden, wie fein diese Struktur ist. Dazu analysierten sie das Erbgut von Bewohnern dreier kleiner schottischer Inseln, dreier italienischer Alpentäler sowie zweier Dörfer auf einer kleinen kroatischen Insel.
Berücksichtigt wurden nur solche Personen, deren Großeltern im selben Ort gelebt hatten. Verwandte ersten, zweiten oder dritten Grades wurden ausgeschlossen – die Resultate spiegeln daher die Mobilität der studierten Bevölkerungen vor mehr als 120 Jahren wider.
Die Genetiker fahndeten nach insgesamt 300.000 Variationen einzelner Basenpaare, gewissermaßen den Buchstaben des Erbguts, und unterzogen die Resultate einer statistischen Analyse. Anhand der typischen Kombinationen einzelner Varianten konnten sie 100 Prozent der italienischen Alpenbewohner dem korrekten Tal zuordnen. Im Falle der schottischen bzw. kroatischen Inselbewohner lag die Trefferquote bei 96 bzw. 89 Prozent. Ähnlich gute Resultate erzielten die Forscher, wenn sie “nur” 10.000 Basenvariationen berücksichtigten.
Forschung: Colm O’Dushlaine, Department of Psychiatry, Trinity College Dublin; Ruth McQuillan und James F. Wilson, Centre for Population Health Sciences, University of Edinburgh; Thomas Meitinger, Institut für Humangenetik, Helmholtz-Zentrum München, und Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München; und andere
Veröffentlichung European Journal of Human Genetics, DOI 10.1038/ejhg.2010.92
WWW:
Neuropsychiatric Genetics, Trinity College Dublin
Centre for Population Health Sciences, University of Edinburgh
Single Nucleotide Polymorphism (SNP)
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Seltene Namen, seltene Gene
Mikroben: Regionale Spezialitäten
Forscher: Etrusker haben anatolische Wurzeln
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken


(2 Bewertungen, im Schnitt 4,50 von 5)


