Erdmännchen mit Tradition
Mittwoch, 7. Juli 2010, 1:01 • Rubrik Biologie, Kultur.
In einigen Teilen der Welt werden Sportler mit lauten Tröten angefeuert, in anderen genießt man nachmittags eine gute Tasse Tee. Stichhaltige Beweise für ähnliche Traditionen glauben englische Zoologen bei Erdmännchen in der Kalahari gefunden zu haben. In manchen Gruppen der kleinen Säuger steht “man” seit Generationen etwas später auf als in anderen, ohne dass es dafür nachvollziehbare Gründe gäbe.
Foto: Scott Sandars via Flickr (Creative Commons Attribution Share-Alike 2.0)
Da die beobachteten Gruppen Seite an Seite im gleichen Gebiet lebten und ein reger Austausch von Mitgliedern bestehe, lasse sich das Phänomen weder durch genetische noch durch Umweltfaktoren erklären, schreiben die Forscher um Alex Thornton von der Universität Cambridge in den “Proceedings of the Royal Society B”. Bei früheren Studien zu Traditionen bei Tieren habe man solche Einflüsse nicht sicher ausschließen können.
Thornton und Kollegen nutzten für ihre Arbeit Daten aus elf Jahren Erdmännchenbeobachtung in Südafrika. Im Untersuchungsgebiet bilden die Tiere 15 Gruppen mit je einem dominanten Weibchen und nächtigen in wechselnden Bauten. Nach Sonnenaufgang erscheinen ihre Mitglieder in rascher Folge an der Oberfläche, um sich zu putzen, zu sonnen und zu spielen, bevor die älteren Tiere auf Nahrungssuche gehen. Die Forscher verknüpften mehr als 12.000 Zeitangaben zum Auftauchen des ersten Gruppenmitglieds mit Daten zur Lage des Schlafbaus, der Gruppengröße und einer Vielzahl weiterer Faktoren.
Wann sich das erste Tier zeigt, scheint weder von der Farbe des Sandes in der Umgebung eines Baus, der Vegetation noch von der Eingliederung neuer Gruppenmitglieder abzuhängen, fanden die Forscher. Die Gruppengröße, die Jahreszeit oder das Wetter spielen dagegen sehr wohl eine Rolle.
Selbst unter Berücksichtigung der verschiedenen Einflussfaktoren bleibt ein gewisser Gruppeneffekt bestehen: Einige Gruppen tauchen über Jahre durchweg einige Minuten später bzw. früher auf als andere – und das selbst dann, wenn zwischenzeitlich sämtliche Gruppenmitglieder gestorben und durch Nachwuchs und Zuzüglinge ersetzt worden sind. “Unsere Resultate liefern daher überzeugende Belege dafür, dass der Zeitpunkt des Auftauchens von Erdmännchengruppen konservative Traditionen widerspiegelt”, folgern Thornton und Kollegen.
Forschung: Alex Thornton und Tim Clutton-Brock, Department of Zoology, University of Cambridge; Jamie Samson, Kalahari Meerkat Project, Kuruman River Reserve, Van Zylsrus
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2010.0611
WWW:
Large Animal Research Group, University of Cambridge
Kalahari Meerkat Project
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