Posted in: Kultur, Psychologie, Vermischtes 2. Juli 2010 16:20 Weiter lesen →

Freuden der Wahrnehmung

Foto zeigt Nahaufnahme eines Auges mit feiner, blau-brauner Faserstruktur der Iris Bei manchen Menschen sind verschiedene Sinne so eng miteinander verknüpft, dass beispielsweise Buchstaben oder Töne eine Farbwahrnehmung auslösen. Diese Personen scheinen besonders zu kreativer Betätigung zu neigen, haben Schweizer Psychologen ermittelt. Unter den von ihnen getesteten Kunststudierenden fanden sich deutlich mehr Synästhetiker als in einer Kontrollgruppe.

Foto: Laitr Keiows via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike A3.0)

Möglicherweise führe ein reicheres Erleben der Welt dazu, dass künstlerische Fähigkeiten und das Interesse an der Kunst bei Synästhetikern stärker ausgeprägt seien, erläutern Nicolas Rothen und Beat Meier von der Universität Bern im Fachblatt „Perception“. Gleichwohl sei es vorstellbar, dass eine synästhetische Veranlagung überhaupt erst durch die Beschäftigung mit der Kunst aktiviert werde.

Die Berner Psychologen führten ihr Experiment mit 99 Kunststudierenden durch. Alle wurden zunächst gebeten, zu den 36 Buchstaben und Ziffern die jeweils „beste“ Farbe auszuwählen. In der Folge wurden sie darauf getestet, wie verlässlich die jeweilige Assoziation war, zudem füllten sie einen kurzen Fragebogen aus. Auf Basis der Ergebnisse stufen die Forscher sieben der Studierenden als Synästhetiker ein. Bei einem Test mit 96 Besuchern einer Jubiläumsveranstaltung der Universität erzielten dagegen nur zwei Personen die nötige Punktzahl.

In einem weiteren Versuch fanden Rothen und Meier heraus, dass Synästhetiker im Vergleich mit „normalen“ Menschen ein gutes, allerdings nicht herausragendes Gedächtnis aufweisen. Dieses Resultat führen die beiden Forscher ebenfalls darauf zurück, dass Synästhetiker oft eine zusätzliche Facette an einer Sache wahrnehmen. Beim Einsortieren und Abrufen von Information könnten ihnen dies einen leichten Vorteil verschaffen.

Forschung: Nicolas Rothen und Beat Meier, Institut für Psychologie, Universität Bern

Veröffentlichung Perception, Vol. 39(5), pp 718-20, DOI 10.1068/p6680

WWW:
Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie, Uni Bern
Synästhesie
Synaesthesia.com

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