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Peruanischer Leviathan

Grafik zeigt großen Wal mit sehr kräftigen Zähnen, an der Meeresoberfläche einen kleineren Bartenwal packend [1] Heutige Pottwale fallen vor allem durch ihren kantigen Kopf auf, an dem ein vergleichsweise zierlicher Unterkiefer hängt. Ganz anders dagegen die urzeitliche Verwandtschaft, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin „Nature“. Ein in Peru entdecktes Fossil gehört zu einer neuen Pottwalart, die man getrost als Schrecken der Meere bezeichnen könnte.

Grafik: C. Letenneur (MNHN)

Das vor 12 bis 13 Millionen Jahren gestorbene Tier war mit einer Körperlänge von schätzungsweise mehr als 14 Metern ähnlich groß wie heutige Pottwalmännchen, berichten die Forscher um Olivier Lambert vom Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique und Giovanni Bianucci von der Universität Pisa. Im Gegensatz zu diesen besaß es jedoch kräftige, gedrungene Kiefer mit ellenlangen und armdicken Zähnen.

Anhand der in Peru entdeckten Schädelknochen und Zähne beschreiben die Forscher eine neue Art aus der Familie der Pottwale, die sie zu Ehren des Verfassers von „Moby-Dick“, Herman Melville, auf den Namen Leviathan melvillei taufen. Bislang hatten lediglich einzelne Zahnfunde vermuten lassen, dass es im Zeitalter des Miozäns große räuberische Pottwale gab, die in den damaligen Nahrungsnetzen als „Spitzenräuber“ eine ähnliche Rolle spielten wie heute die Schwertwale oder Orcas.

Foto zeigt einige Personen in einer Wüste, beinahe weißer Boden, aus dem größere fossile Knochen ragen, im Hintergrund eine helle Hügelkette unter wolkenlosem Himmel Foto: G. Bianucci (Universitá di Pisa)

Gemessen an der leicht nach außen gebogenen Form der Kiefer, der Stellung der Zähne sowie viel Platz für kräftige Kaumuskeln, dürfte es der urtümliche Pottwal vornehmlich auf große Beute abgesehen haben, so die Forscher. Diese war reichlich vorhanden: In den gleichen Gesteinsschichten im Süden Perus sind bereits Fossilien zahlreicher weiterer Zahn- und Bartenwale, Robben, Meeresschildkröten und auch Haie entdeckt worden.

Möglicherweise lebte der peruanische Leviathan Seite an Seite mit dem größten bekannten Hai, dem Megalodon. Warum beide Räuber schließlich verschwanden, ist noch unbekannt.

Forschung: Olivier Lambert, Département de Paléontologie, Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique, Brüssel; Giovanni Bianucci, Dipartimento di Scienze della Terra, Università di Pisa; Klaas Post und Jelle Reumer, Natuurhistorisch Museum Rotterdam und Faculteit Geowetenschappen, Universiteit Utrecht; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 466, 1. Juli 2010, pp 105-8, DOI 10.1038/nature09067

WWW:
Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique [2]
Natuurhistorisch Museum Rotterdam [3]
Sperm Whales [4]
Moby-Dick [5]

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Fossilien in Reinform [6]
Eine Frage des Hüftschwungs [7]
Pottwale jagen wie Fledermäuse [8]